Archiv der Kategorie: Gemeinde

Corona-Krise: Ev. und Kath. Kirchen in Baden-Württemberg rufen mit Glockengeläut zum ökumenischen Gebet auf.

Die evangelischen Landeskirchen in Baden-Württemberg und die Diözese Rottenburg-Stuttgart möchten gemeinsam ein Zeichen der Solidarität setzen. Daher rufen sie ihre Gemeinden auf, täglich um 19:30 Uhr mit dem Läuten der Betglocke zum ökumenischen Gebet einzuladen. So haben sich diesem Aufruf z.B. bereits die Ravensburger Kirchen angeschlossen.

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Pfarrerin schreibt an Kirche und Diakonie Aufruf zur Solidarität in der Corona-Pandemie

Liebe KollegInnen,

bevor wir über Andachten denken, bevor wir Aktionen starten, die natürlich auch sehr wichtig sind, finde ich es wichtig einen Solidaritätsnetzwerk einzurichten um für die Senioren/kranken einzukaufen, zu versorgen.

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Predigt 1. Petrus 2, 2-10 Der geistliche Bau – persönlich und im Ganzen

Landsberg am Lech | Zu den Heiligen Engeln | Foto: Richard Mayer CC BY SA 3.0

Hören wir zunächst auf den Predigttext aus 1. Petrus 2, 2-10.
Dieser Abschnitt ist überschrieben mit „Das neue Gottesvolk“:
2 und seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein, auf dass ihr durch sie wachset zum Heil,
3 da ihr schon geschmeckt habt, dass der Herr freundlich ist.
4 Zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und kostbar.
5 Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.
6 Darum steht in der Schrift (Jesaja 28,16): »Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden.«
7 Für euch nun, die ihr glaubt, ist er kostbar. Für die aber, die nicht glauben, ist er »der Stein, den die Bauleute verworfen haben; der ist zum Eckstein geworden« (Psalm 118,22)
8 und »ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses« (Jesaja 8,14). Sie stoßen sich an ihm, weil sie nicht an das Wort glauben, wozu sie auch bestimmt sind.
9 Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk zum Eigentum, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht;
10 die ihr einst nicht sein Volk wart, nun aber Gottes Volk seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid (Hosea 2,25).

Liebe Gemeinde,

welche Dimensionen hat der Predigttext? Mein erster Versuch dem näher zu kommen war eine Mindmap. Darauf folgte eine Begriffssammlung. Dann der Besuch hier in der Ausstellung „ZWÖLF – Kirchenbauten der Nachkriegsmoderne in Baden-Württemberg“. Und schließlich ein paar Nachfragen an Tante Google zur Funktion von Eck- und Schlusssteinen. Das alles war dann so viel, dass ich mich auf wenige Punkte beschränken muss. Der geistliche Bau – persönlich und im Ganzen.

In der Wettbewerbsausschreibung zu diesem Bauwerk hier können wir lesen: „… Mittelpunkt des gottesdienstlichen Geschehens ist … die Gemeinde selbst, die zum Hören auf das verkündigte Wort und zum Empfang der Gaben der Sakramente versammelt ist. Deshalb sind Kanzel, Abendmahlstisch und Taufbecken … zu der versammelten Gemeinde in eine jeweils gleichwertige Beziehung zu setzen …“

Inzwischen ist dieser Gemeinde- und Sakralbau wie 150 andere aus der Nachkriegszeit auch ein Denkmal.

Nun, diese Predigt möchte ein wenig nachdenken. Nachdenken darüber, was uns heute bei all den Hiobsbotschaften verschiedener Studien zu Mitgliedschaft und Gottesdienstbesuch in Landes- und Volkskirche dieser Predigttext, die hier vorfindliche Architektur und die Wanderausstellung für Zeichen und Hinweise zu geistigem bauen mit lebendigen Steinen geben können.

Taufe – Christus, der Eckstein wird gelegt

Die Taufe. Sie legt für den eigenen, ganz persönlichen geistlichen Bau den Eckstein – Jesus Christus.

Der Eckstein ist der erste Stein, der beim Neubau gelegt wurde.
Er ist besonders groß und stabil, seine Konturen sind sauber bearbeitet. Der Eckstein trägt über Eck das Gebäude, verleiht den Seiten Stabilität und gibt Ihnen die Richtung vor. An ihm richtet sich der Rest aus und mit ihm erhält der Bau Stabilität und Zusammenhalt.

Am Eckstein können wir unsere eigenen Steine anlegen und auf diesen die Mauern und so schließlich das gesamte Gebäude aufbauen. Unsere eigenen Steine, oftmals unbehauen, unscheinbar und klein, manchmal verziert und kunstvoll, wie es das Leben eben mit sich und uns bringt. Sie sind alle notwendig, soll unser Bau gelingen.

Er, Christus sieht und erkennt uns wie wir sind. Da müssen wir selbst nichts tun, als unsere unbehauenen Steine an den Flanken des Ecksteins anzusetzen und ineinander zu fügen, an Christus auszurichten und auf ihm aufzubauen. Der Eckstein gibt dem eigenen geistlichen Bau notwendige Form und Richtung.

wertgeschätzt, geliebt und willkommen

Bei Christus bist du wertgeschätzt, geliebt und willkommen; gerade so wie du bist. In deinem ganzen Sein, deinen Gaben, aber auch deinen Unzulänglichkeiten und Schwächen. In ihm erfährst du für dich und deinen geistlichen Bau Tragfähigkeit, Zusammenhalt und Stabilität.

Deine ganz persönliche Geschichte und Geschichten, die du mit dir herumträgst und die dir manchmal eine so schwere Last sind. Diese vielen Steine und Steinchen im Gepäck…

Christus hat sie schon lange angenommen und getragen. Er ist schon lange versöhnt. Versöhne du dich selbst auch mit dieser deiner Geschichte. Wie Christus dich angenommen hat, so nimm du dich selbst an.

Mit allen Ecken und Kanten kannst du dich und deine Einzigartigkeit, mit all deinen Gaben in deinen geistlichen Bau einbringen. Leg die Steine an den Eckstein an, befreie dich von der Last diese mit dir herumzutragen und lass sie so ein Beitrag werden zu deinem ganz eigenen und persönlichen Bau, getragen und ausgerichtet durch den Eckstein Christus.

In der ruhigen Betrachtung und Würdigung jedes einzelnen deiner Steine und der Gesamtschau auf dich selbst, lässt Gott dich die wunderbare Herrlichkeit seiner Schöpfung und Gnade, deine Einzigartigkeit erkennen und wertschätzen. Und so kann sich dann ein Stein wunderbar in den anderen einfügen und das herrliche Gesamte ergeben.

In persönlicher Spiritualität Ruhe und Orientierung finden

Was kann mir dazu helfen, mich darin unterstützen?
In und durch die ganz persönliche Spiritualität finde ich oft Ruhe und Orientierung.

Das kann in der Bibellese, beim Forschen nach dem kulturellen Gedächtnis, dem Wiederholen empfangener Lehren, das mich zum verantwortlichen Leben führt, lebendig werden; Anleitung und Impuls für verantwortlichen und achtsamen Umgang mit mir selbst in der Schrift entdecken und für mich erschließen (siehe Dietrich Bonhoeffer „Widerstand und Ergebung“ von Eberhard Bethge „Nach zehn Jahren“ S. 9).

Ruhe, Kraft und Konzentration aus dem Rhythmus des Tagzeitgebets für das Wesentliche ziehen, für das, was jetzt gerade dran ist. Ein lebendiger Glaube, der die kleinste Hütte zum Bethaus werden lässt und meine sterbliche Hülle heiligt; Bewusstsein schafft für das was zählt in Alltag und im Miteinander.

Kontemplation, die innere Einkehr, lässt im Spiel von Loslassen und Fokussierung ein wunderbares Licht in meinem geistlichen Bau aufleuchten. Auf du und du mit GOTT, in meinem ganz persönlichen Raum der Stille und des Hörens auf Gott. Ich darf ein Geschöpf Gottes sein.

Gotteslob. Ein Lied auf den Lippen und im Herzen, versetzt Körper und Geist, unseren geistlichen Bau in sterblicher Hülle, in wunderbare Schwingungen, bringt göttliche Resonanz und Glanz hervor. Das steckt an.

Christliche Spiritualität – Mörtel und Speis zwischen unbehauenen, groben Steinen

Für mich werden diese Elemente christlicher Spiritualität zunehmend zu wertvollen Bau- und Lehrmeistern meines ganz persönlichen geistlichen Baus. Oder anders ausgedrückt, zu Mörtel und Speis zwischen meinen unbehauenen und groben Steinen, der die Ritzen füllt, alles zusammenhält und an den Eckstein fügt undmit ihm verbindet.

Kleine, kurze Übungen, aber stetige Übung sind hier für mich der Schlüssel zum Gelingen.

privat und öffentlich –
Individuum und Gemeinschaft

Von Christus lesen wir nicht selten, dass er sich zurückzog aus dem Geschehen, um mit sich und seinem Vater ins Gespräch zu gehen, zur Ruhe zu kommen. Trauen wir uns selbst auch immer wieder und regelmäßig unsere ganz persönliche Zeit einzufordern, zu nehmen und auch zu gestalten. Seelenpflege jenseits von Spa, Beauty und Wellness tut gut; sind die täglichen kleinen Oasen-Stopps im oft so rauen und wüsten Alltag.

Aber immer, um auch wieder zurückzukommen, um da zu sein für die Menschen um uns herum. Ich denke das gehört zusammen, das Wechselspiel zwischen privat und öffentlich, Individuum und Gemeinschaft.

Der geistliche Bau braucht Räume – Gemeinschaftsräume und Plätze.

Als Individuum bringen wir uns ein mit unseren ganz persönlichen Gaben, dem Sein selbst und es entsteht Gemeinschaft: bunt, lebendig, vielfältig, inspirierend, unverhofft und unerwartet, neu und immer wieder ganz anders. Der geistliche Bau. Und dieser braucht Räume – Gemeinschaftsräume und Plätze.

So ist es auch mit diesem Ort hier. Da hatten ein paar Leute Mut Neues zu wagen.

Hierzu Zitate aus dem Gästebuch zu dieser Ausstellung:
„Von außen eher dunkel,
abweisend, zeigt der Innenraum ein Licht von großer Schönheit.
Ruhig – einfach da.“

Der andere Eintrag vom 23.07.:
„In den 60er Jahren wurde verantwortlicher, mutiger gebaut als heute. Diesen Mut wünsche ich mir zurück.“

Und da sind wir bei einem Impuls, der vom Architekt gegeben, vom Betrachter wahrgenommen und heute hineingegeben wird in die Gemeinde.

Ruhig – einfach da.

Zum einen: Ruhig – einfach da.
Das drückt für mich das Beständige, das geerdet sein aus – einfach da.
»Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden.«

Kirche – Institutionen, Einrichtungen, Gebäude, Gemeinschaft und Individuum – einfach da.
Mitten im Ort, mitten unter den Leuten, für jede und jeden, ausnahmslos – einfach da.

Das ist der Anspruch, den Christus der kostbare Eckstein an sich, an seine ZWÖLF und an uns als in Christus getaufte, „… die ihr einst nicht sein Volk wart, nun aber Gottes Volk seid, …“ erhebt.

„Von außen eher dunkel,
abweisend, zeigt der Innenraum ein Licht von großer Schönheit.“

„… dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht; …“

Das ist der Auftrag. Mitten hinein sind wir als Christen gegeben in die Gesellschaft, in die Gemeinschaft.

Mut wünsche ich mir. Aufbruch wagen.

Und da hilft vielleicht die Mahnung und leise Hoffnung, kann Orientierung geben: „In den 60er Jahren wurde verantwortlicher, mutiger gebaut als heute. Diesen Mut wünsche ich mir zurück.“

Mut wünsche ich mir zurück. Lasst diesen Ort einen offenen Ort sein und bleiben. Lasst die Orte der Kirche, der Institutionen, der Einrichtungen, der Gebäude, einen offenen Ort sein und bleiben.

Patentrezepte? Gibt es nicht.
Schauen Sie sich die ZWÖLF, die 12 beispielhaften Exemplare an. Verschiedener und doch stringenter kann es kaum sein.

Da wurde nach dem Krieg ein Aufbruch gewagt. Neue technische Möglichkeiten, neue Anforderungen, neue Bürger von überall her in großer Zahl, …

Dort wird aus Spannbeton ein riesiges Zeltdach aufgespannt. An anderer Stelle wird mittels Glasfassaden völlige Transparenz nach draußen in den Wald hinein realisiert. Dagegen entsteht woanders ein meditativer Schutzraum. Dem zum Trotz wird wiederum ein sakraler Raum mitten in der Welt geschaffen. Der nächste Architekt realisiert die Vorstellung der Gemeinde nach tätiger Teilnahme der Gläubigen, nach Demokratisierung im gottesdienstlichen Raum mit Neugotik in Fertigbauweise.

Ja, wieviel Input will die Kirche, wollen wir noch?
Kirche fang an, fangen wir an diese Impulse zuzulassen!

Zitat aus dem Gästebuch:
„Durch die Ausstellung und die begleitende Literatur habe ich einen Zugang zu den modernen „Betonkirchen“ gefunden. Bereichernd.“

Ein anderes:
„Endlich sind wir nicht allein“

Und:
„Versammlungsort erster Güte
… könnte bedeuten, dass sich an diesem neu definierten Orten Menschen versammeln frei von konfessionellen Bindungen, frei von ideologischen Intentionen, im Sinne einer offenen Gesellschaft von Schwestern und Brüdern, in franziskanischen Geist und Sinn, ohne kirchlichen Dogmen, Macht und Deutungshoheit, eine zukunftsoffene, entwicklungsorientierte Menschheit, gegenüber Natur, Umwelt, Kosmos, ebenso brüder-schwester-lich verbunden und verantwortlich!…“

Der Mensch Jesus hat sich Zeit für sich genommen. Er hat sich aber auch vorbehaltlos den Menschen seiner Zeit zugewandt. Nehmen wir die Impulse, die unsere Zeit und unsere Umgebung uns gibt, auf. Reflektieren und spiegeln wir diese auf dem uns gegebenen Hintergrund, der Basis, dem Eckstein.
Und schließlich: Wagen wir den Aufbruch.

Der geistliche Bau –
ein mit Leben erfüllter Bau.

Bauen am geistlichen Bau einer Kirche, einer Gemeinschaft, die für alle offen und da ist. Keiner der Architekten hat geplant und sich eingebracht, um Ruinen zu bauen. Alle bringen sie ihr Persönliches ein, um ein Gemeinsames zu Schaffen – den geistlichen Bau, ein mit Leben erfüllter Bau.

Wie das konkret aussieht? Dazu muss jede Gemeinde vor Ort sich selbst finden. Vielleicht kann dazu die Erfahrung, die die Gemeinde hier vor der Ausschreibung zum Neubau gemacht hat, Anregung sein: Sie gingen auf Exkursion und haben sich in Frankreich Anregungen nach Sonnenberg geholt, einen Wettbewerb ausgeschrieben und den Entwurf aus der Schweiz realisieren lassen.

Will sagen: Über den Tellerrand schauen, Wettbewerb um die besten Ideen zulassen, um tragbare, individuelle Lösungen für die Veränderungen und konkreten Bedürfnisse vor Ort zu finden.

Christus – Eck- und Schlussstein

Christus wird zu allen unseren Bemühungen, den Schlussstein geben. Der Keilstein, der Spaltstein. Er ist der Stein, der das Gewölbe, den geistlichen Bau abschließt, zusammenhält und auf dem Eckstein ruhen lässt.

In diesem Sinne wünsche ich dem weiteren Verlauf der Wanderausstellung Gottes Segen und vielfältigen und reichhaltigen Input für den geistlichen Bau vor Ort.

Amen.

„Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.“ Phil 4, 7

Reminiszere – Joh. 3, 14-21

Liebe Gemeinde,

„Jesus und Nikodemus“. So ist der Abschnitt, aus dem unser Predigttext entnommen ist, überschrieben.

Ein nächtliches Lehrgespräch zwischen dem hohen jüdischen Gelehrten Nikodemus und Rabbi Jesu. Ein von Gott gekommener Lehrer muss Jesus sein, stellt Nikodemus fest.

Warum? Weil er Zeichen tut, die sonst keiner tun kann.
Bei Nacht sucht Nikodemus diesen geheimnisvollen Jesus auf. Dieser hat ihm offensichtlich keine Ruhe gelassen. Nikodemus kann nicht schlafen. Dieser Jesus und was von ihm zu hören ist, das treibt ihn um. Und so sucht er ihn auf, um mit ihm ein hoffentlich erhellendes Gespräch zu führen, um Klarheit für sich zu finden.

Sind wir nicht oft wie dieser Nikodemus?
In vielfältiger Weise von Nacht umgeben, suchen wir dieser zu entkommen. Erhellendes suchen wir und Klarheit möchten wir gewinnen.

Da fällt Ihnen jetzt sicher viel dazu ein.

Das eigene Leben zieht an einem vorbei und an der einen oder anderen Stelle steht ein großes Fragezeichen. Warum? – ruft es in uns. Und wie ein Stich fährt es durch unser Herz.

Komplizierte Beziehungen und verworrene Bindungen, die zu schaffen machen und einen innerlich wurmen.
Wie gerne würde man da manches geklärt und wo möglich bereinigt haben.

Der Mensch ein ruheloses und getriebenes Wesen. Seine Lebenswelt lässt ihm keine Ruhe. Immer weiter versucht er vorzudringen in der Welt der Wissenschaft. Den Kosmos im Großen möchte er erobern und im Kleinsten durchdringen.

Und er kommt an kein Ende. Ist eine Etappe geschafft, tun sich unendlich viel weitere auf, die zu schaffen sind. Und das in beide Richtungen; ins Äußerste und ins Innerste, ohne jemals an ein Ende zu kommen.

Wo ist der Grund auf dem wir abschließend gründen?
Und wo ist die Grenze, hinter der es kein Weiter gibt?
Wo finden wir Grund und Ursprung, wo das Letzte?
Wo ist endlich alles klar, licht und hell?

Nikodemus macht sich Gedanken über die letzten Dinge.
Wie oder wodurch schafft man sich Seligkeit; wie kommt man ins Reich Gottes.

Und er spürt, dieser Jesus könnte da einen Ansatz haben.

Jesus sagt es ihm:
Du bist zwar aus Wasser geboren, aber du musst auch aus dem Geist geboren werden, um ins Reich Gottes zu kommen.
Könnte man auch sagen, dein Geist muss sich erneuern?

Und schließlich kommt dieses Beispiel aus der Schriftlesung von heute: die eherne Schlange.
Da war unter den widrigen Bedingungen der Wüste die Beziehung zwischen dem Volk Israel und ihrem Gott und dessen Knecht Mose in Mitleidenschaft geraten. Sie war vergiftet.

Das kennen wir, oder? Es läuft nicht, wie wir uns das vorstellen. Und das schon eine ganze Weile. Misstrauen macht sich breit. Und dann kommt Sand ins Getriebe. Durch die Hitze kommt Druck auf und man wird der Sache müde und überdrüssig. Man glaubt nicht mehr an ein Weiterkommen. Durch die Trockenheit und endlose Weite wird man schwach. Ein guter Ausgang oder das Ziel rücken in unendliche Ferne.

Man fängt an zu murren, wird unwirsch. Sucht Schuldige und lässt seinem Frust freien Lauf.
Gut, wenn wir da etwas haben, an dem wir hochschauen können.
Eine Möglichkeit zum sich Abstützen und Aufrichten haben.

Bis heute ist z.B. der Äskulapstab, der Stab mit der Schlange, aus der griechischen Mythologie entsprungen, das Zeichen der Mediziner und Pharmazeuten.

Das Gift der Schlange kann töten. Das Gift der Worte und Gedanken kann ebenfalls töten. Das kann einen innerlich wurmen und zerfressen.
Ungeklärte Missverständnisse, Missgunst, Neid, Unzufriedenheit – alle diese Dinge lassen uns unser Leben als Wüste erscheinen und wir kommen nicht heraus.

Ein gutes Wort der Nachbarin, ein seelsorgerliches Gespräch, ein lachendes Kindergesicht, die Hilfe der Pflegerin oder der Ärztin.
Das alles kann uns guttun, dass es hell in uns wird. Auch die aufwachende Natur, die Sonnenstrahlen, das Zwitschern der Vögel, das neue frische Grün.
Wenn wir es wahrnehmen, in uns hineinlassen, bewusst betrachten, dann wirkt das Wunder.

Schon in irdischen Dingen, wie Jesus zu Nikodemus und uns durch den Predigttext sagt. Gut, wenn wir uns in der Heilkunde von heilsamen Worten, Gesten, Blicken und Taten auskennen und dies im Miteinander und untereinander üben.

Aber dabei bleibt Jesus nicht stehen. Er geht weiter und geht auf die von Nikodemus nicht gestellte Frage ein. Wie kommen wir ins Reich Gottes?

Und da spricht Jesus nun nicht mehr von den verschiedensten Heilmitteln und menschlichen Möglichkeiten.
Er spricht nicht mehr von etwas das wir tun, schaffen oder wozu wir etwas beitragen könnten.

Sondern er spricht vom Menschensohn und von Gottes Sohn, der erhöht werden muss.
Der sich indem er erhöht wird, aber am Kreuz gibt. Gott gibt sich für uns, für jeden von uns, für dich.

Er nimmt unsere Wüste, unser Leid, unsere Unvollkommenheit auf sich. Er nimmt unsere vergifteten und gestörten Beziehungen, unser Scheitern und alles was trennt und tötet auf sich.

Was fordert er? Den Glauben an ihn.
„…, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“
Schon jetzt.

Christus sagt uns: Wer glaubt!
Wer glaubt, der hat …

Und ich? Ich rufe zu Christus.
Ich rufe zu Christus mit offenen, aber leeren Händen:
HERR! „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9, 24)

Komme DU zu mir.
Schenke DU mir, dass mein Herz und meine Seele Vertrauen,
Vertrauen zu dir und deinem Wort fassen.

Mir ist das Geheimnis zu groß.
Zu groß, als dass mein Verstand es fassen könnte.

Darum HERR:
schenke meiner kraftlosen Seele – Glauben,
schenke meinem verzagten Herz – Liebe,
schenke meinem trüben Geist – Hoffnung.

Werde du mir zum Brot des Lebens,
damit ich mich ganz DIR hingeben,
ganz dir ergeben kann.

Dann wirst DU mir Brot, dein Fleisch mir Brot des Lebens.

Und ich habe volle Genüge aus dir,
volle Genüge in der Wüste meines Lebens.

HERR, dir sei Dank in Ewigkeit.

Amen


aponto/2019-03-17 – es gilt das gesprochene Wort

1. Advent 2018 – Predigt zu Matthäus 21, 1-9

Hören wir zunächst auf den Predigtext aus Matthäus 22, 1-9:
1 Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den
Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus
2 und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt. Und
sogleich werdet ihr eine Eselin ange-bunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir!
3 Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer.  Sogleich wird er sie euch überlassen.
4 Das geschah aber, auf dass erfüllt würde, was gesagt ist durch den
Propheten, der da spricht (Sacharja 9,9):
5 »Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.«
6 Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte,
7 und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider
darauf, und er setzte sich darauf.
8 Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.
9 Das Volk aber, das ihm voranging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!
10 Und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und
sprach: Wer ist der?
11 Das Volk aber sprach: Das ist der Prophet Jesus aus Nazareth in
Galiläa.

Liebe Gemeinde,

Jesus zieht ein!

Ho ho ho, da sind wir dabei!
Schnell, schnell lasst uns gehen und …
Mist, wir haben keine Geschenke dabei.

Schnell, schnell –
ein paar Palmzweige gebrochen und auf den Weg gestreut.
Hopp, hopp – die Mäntel auf den Weg gelegt.

Ha, ha, er kann kommen – Hosianna!
Oh, oh, und er kommt wie die Schrift sagt:
auf einem Esel zieht er ein.

Du! Da, der neue König! Hosanna!
Wer? Der Esel?

Nein, du Schwachkopf – der Prophet Jesu!
Kennst du denn das Wort des Propheten Sacharja nicht?
„Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.“ (Sacharja 9,9)

Ach, so… Hosanna, Hosanna!
Ruft alle mit! Hosanna, Hosanna!

Endlich wird alles gut!
Endlich wieder einen König, ganz nach dem Geschmack Gottes.
Viel mehr noch – ganz nach unserem Geschmack!

Endlich werden die Heilsversprechen wahr.
Endlich einer, der alle Probleme dieser Erde im Handstreich lösen wird. Ein Held, wie aus dem Film geschnitten. Ein Supermann!

A star is born!

So hoffte auch Jochen Klepper, der uns wohlbekannte Liederdichter, als er 1938 in „Der Vater“ schrieb:

„Herr, lass uns wieder einen König sehen,
bevor die Welt die Könige vergisst.
Denn sonst vermögen wir nicht zu verstehen,
nach welchem Maß man deine Ordnung misst.“

Ein Christ und Preuße durch und durch. Das Trauma nach 1914 präsent. Den Nationalsozialismus vor Augen, entwickelt er eine Gegenwelt zum braunen Sumpf und Morast: „… der König unter Gott, ihm unterstellt, in seinem Namen dem Volke dienend.“

Wo stehen die Völker heute?
Worin suchen diese heute ihr Heil?
Auf dem Weg so viele Heilsversprecher.

Wo stehen wir heute?
Worin sehen wir das Heil?

Die Sehnsucht nach dem Erlöser, dem Erlösenden, die Lösung, bei all den komplexen Themen und Problemen, dem unüberschaubaren Berg an Aufgaben, Anforderungen, der Komplexität und Vielschichtigkeit in unserem Dasein.

Hosanna! Ach, Herr, hilf doch!

Komm doch endlich einer, der Ordnung mache in diesem Chaos!
Einer der klare Kante zeigt und aufräumt.
Hosanna!

Und wenn er’s doch nicht richtet?

Dann jagen wir ihn halt zum Teufel.
Vielleicht richtet’s ja der nächste …
Einer wird’s schon richten.
Hosanna, hosanna!

So viele Heilsversprechen. So viel Glanz und Pomp.
So viele Irrlichter.

Und da kommt ER.

Auf einem Esel geritten;
liegt in der Futtergrippe im Viehstall.

Demütig, sanftmütig …

Sieht so der neue starke Mann aus?
Einer der sich durchsetzen wird?
Der auf den Tisch haut und reinen Tisch macht?

Klepper eröffnet uns eine andere Sicht:
Sohn eines Pfarrers – Theologiestudium abgebrochen.
Geheiratet – eine Jüdin, 13 Jahre älter und zwei Kinder im Gepäck.

Aber immerhin – getauft ist sie. Vielleicht schützt ja die Kirche.
Die große Tochter noch rechtzeitig nach England emigriert.

Trotz schriftstellerischem Erfolg und hoher Achtung beim Militär für
sein Werk „Der Vater“ – Berufsverbot.

Zum Kriegsdienst eingezogen – vielleicht hilf ja das.
Vielleicht beschützt dieser Dienst Frau und Tochter?

Nein, als wehrunwürdig aus dem Kriegsdienst entlassen.

Wie kann der nur mit einer Jüdin verheiratet sein und bleiben;
sich zu dieser Jüdin mit den fremden Kindern bekennen.

Die Schlinge zieht sich zu. Die Zwangsscheidung droht.

Einsatz für die Tochter. Einreise in die Schweiz wiederholt abgelehnt. Nach Schweden endlich doch zugesagt.

Ablehnung der Ausreise. Trotz eines Führsprechers durch Adolf Eichmann persönlich abgelehnt.

Die Deportation der geliebten Frau mit Tochter beschlossene Sache. Nein, ich lasse mich von euch nicht trennen.

Bis in den Tod – ich stehe zu euch.
Dann gehen wir gemeinsam in den Tod.

Letzter Eintrag im Tagebuch:
„10. Dezember 1942 –
Nachmittags die Verhandlung auf dem Sicherheitsdienst.
Wir sterben nun, ach, auch das steht bei Gott.
Wir gehen heute Nacht gemeinsam in den Tod.
Über uns steht in den letzten Stunden das Bild des segnenden  Christus, der um uns ringt. In dessen Anblick endet unser Leben.“

11. Dezember 1942:
Selbstmord der Familie im Schlaf durch Gas.

Der begonnene Abtransport von Frau und Tochter in die Vergasung am kommenden Tag wird erfolglos abgebrochen.

Jochen Klepper:
Der sich bewusst zu Frau und Kinder bekennt und nicht von deren Seite weicht. Der bewusst kein Gesetz bricht, um seine Pflichten zu erfüllen. Und in all dem Erlebten keinen Moment an Christus zweifelt, sondern vielmehr bewusst ins Leiden mitgeht; sich dem nicht entzieht.

Für mich schwere Kost.

Offensichtlich auch für andere:
Klepper – Theologe, Journalist und Schriftsteller, einer der
bedeutendsten Dichter geistlicher Lieder des 20. Jahrhunderts,
der nach Luther und Gerhardt dritthäufigste Autor in unserem evangelischen Gesangbuch. Und trotzdem – im Gegensatz zu Bonhoeffer nicht im Evangelischen Namenskalender zu finden.

Klepper – der Antiheld.

Einer der Jesu Leben und Worte ernst genommen hat.
In übertragenem Sinn auch auf einem Esel geritten ist.
Vielleicht aber auch der Esel selbst war.

Und wo stehe ich?
Am Wegesrand nach Jerusalem?
Hosanna, Hosanna!?

Die Nacht ist vorgedrungen:

1) Die Nacht ist vorgedrungen,
der Tag ist nicht mehr fern!
So sei nun Lob gesungen
dem hellen Morgenstern!
Auch wer zur Nacht geweinet,
der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet
auch deine Angst und Pein.

2) Dem alle Engel dienen,
wird nun ein Kind und Knecht.
Gott selber ist erschienen
zur Sühne für sein Recht.
Wer schuldig ist auf Erden,
verhüll nicht mehr sein Haupt.
Er soll errettet werden,
wenn er dem Kinde glaubt.

3) Die Nacht ist schon im Schwinden,
macht euch zum Stalle auf!
Ihr sollt das Heil dort finden,
das aller Zeiten Lauf
von Anfang an verkündet,
seit eure Schuld geschah.
Nun hat sich euch verbündet,
den Gott selbst ausersah.

4) Noch manche Nacht wird fallen
auf Menschenleid und -schuld.
Doch wandert nun mit allen
der Stern der Gotteshuld.
Beglänzt von seinem Lichte,
hält euch kein Dunkel mehr,
von Gottes Angesichte
kam euch die Rettung her.

5) Gott will im Dunkel wohnen
und hat es doch erhellt.
Als wollte er belohnen,
so richtet er die Welt.
Der sich den Erdkreis baute,
der lässt den Sünder nicht.
Wer hier dem Sohn vertraute,
kommt dort aus dem Gericht.

Amen

„Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre
eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.“ (Phil. 4, 7)

Andreas Ponto, 2018-12-02