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Verhältnis Christus – Gläubiger – Kirche

Diese kurzen Gedanken habe ich anlässlich der Tageslosung vom 11.07.2015, bzw. des zugehörigen Lehrtextes aus Röm 12,2
„Fügt euch nicht ins Schema dieser Welt, sondern verwandelt euch durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr zu prüfen vermögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“
aufgeschrieben.
Da ich mich an diesem Tag mit dem Epheserbrief beschäftigt hatte und an anderer Stelle von der „PRIVATSACHE“ des Glaubens und der Gottesbeziehung geschrieben wurde, sind wohl diese Gedanken so entstanden:

Wie ist das Verhältnis Christus – Gläubiger – Kirche (Christi) zu sehen?

Der Verfasser des Ephesserbriefes, dieser auch als theologisches  Vermächtnis der Paulusschule angesehen wird,  sieht in der Kirche Christi den präsentischen Heilsraum, gleichwohl Kirche unbestritten noch immer einem Wachstums- und Reifeprozess unterworfen ist und bleiben wird.

Christus – Haupt der Kirche.
Apostel und Propheten – unveränderlich Fundament und Norm.
Der Apostel als Bote des Geheimnisses des Evangeliums.
Kirche als der Leib Christi.

Im Ephesserbrief wird auch ein Gegenentwurf zum damals herrschenden Kaiserkult (Kaiser das Haupt, römisches Reich der Leib) festgemacht: Christus das Haupt, Kirche Christi der Leib.
In der Kirche offenbart sich die Herrschaft Christi und sind durch das Evangelium erst alle wirklich frei!

Wie ist das nun heute, nach den Jahrhunderten mit einer Kirche, die zur politischen Macht geworden ist?
Die durch die im 4. Jhd. erfolgte Erhebung des Christentums zur Staatsreligion im Römischen Reich, selbst Teil der „Hure Babylons“ wurde?

Heben die Irrungen und Wirrungen der institutionellen Kirche/n in der Geschichte die paulinische Theologie auf?

Hat Christus Kirche als Heilsraum aufgegeben?
Hat Kirche somit theologisch ausgedient?

Christus nun das Haupt vieler Leiber?
Jeder wird nach seiner Facon selig?

Ich bin überzeugt, dass wir um die Gemeinschaft von Christen, als Kirche Christi verstanden, nicht umhin kommen.  Christus möchte Schranken und Fremdherrschaft-/bestimmung einreißen, möchte durch den Heiligen Geist im Sinn Christi sammeln –
keinesfalls aber zerstreuen.

Christus möchte auf dem von ihm selbst geschichtlich einmalig gelegten Fundament der Apostel und Prohpeten in seiner Kirche sammeln und als alleiniges Haupt regieren.

Kirche Christi, als Gemeinschaft aller Gläubigen, als Leib Christi, nicht als irgendeine Institution, aber dadurch eben auch als Institution,
ist präsentischer Heilsraum, ist, so verstanden, Gegenentwurf zum Herrschaftssystem und -prinzip dieser Welt.
Das ist aus meiner Sicht als ekklesiologische Relevanz des Evangeliums zu verstehen.

Christen sind in der Taufe an Christus gebunden und somit unweigerlich Teil der Kirche Christi. Das in der Schrift durch Apostel unf Propheten tradierte Evangelium Christi ist Fundament und Norm eines jeden Christen, aber eben auch der Kirche Christi als Ganzes, als Leib Christi. Christus das alleinige Haupt, macht frei von jeglicher Fremdherrschaft, auch kirchlich institutioneller, fügt aber gleichzeitig alle als lebendiger Leib Christi in der Gemeinschaft zusammen.

Diese Spannung ist nach meiner Überzeugung auszuhalten!

Kirche ist aus meiner Sicht daher nicht aufzugeben, sondern muss sich auf dem von Christus gelegten Fundament, getrieben durch den Heiligen Geist, verwirklichen.

Kirche muß sich als Gegenentwurf zum weltlichen Herrschaftssystem verstehen und, da Kirche, wie jeder Einzelne eben auch, den Verstrickungen ihrer Zeit unterliegt, immer wieder aus dem weltlichen System befreien (Bsp: Reformation, Bonhoeffer, …) und auf Basis des gelegten Fundamentes immer wieder neu erfinden.

Kirche als Gemeinschaft ausnahmslos aller Gläubigen ist durch das Evangelium verpflichtet Versöhnung, Gemeinschaft, Integration und Einheit, trotz aller Unterschiede und Differenzen, trotz allem Trennenden, zu suchen und immer wieder neu zu (er-)finden.

Kirche als integraler Bestandteil des Evangeliums, Leib Christi und präsentischer Heilsraum, ist, so verstehe ich die Schrift, elementar.

Studie: Liebenzeller Mission in der NS-Zeit

Die Liebenzeller Mission, ein freies Werk innerhalb der Evangelischen Kirche, hat ihre NS-Vergangenheit aufgearbeitet.
Vielleicht sollte man aber vorsichtiger formulieren und sagen: ist dabei ihr NS-Vergangenheit aufzuarbeiten.

Die von der Mission vor drei Jahren bei dem Theologen und  Dozenten Helmuth Egelkraut in Auftrag gegebene Studie ist nun als Buch erschienen.

Das Evangelische Gemeindeblatt für Württemberg berichtet im Titelthema der Ausgabe 25 vom 21. Juni 2015 von den Ergebnissen dieser Studie.

Die offizielle Stellungnahme des Komitees der Liebenzeller Mission ist auf ihrer Hompage veröffentlicht: Stellungnahme.

Das offizielle Geleitwort des Direktors der Liebenzeller Mission, Pfr. Detlef Krause, kann hier nachgelesen werden: Geleitwort zur Studie.

Eine Stellungnahme eines, wie er/sie sich selbst nennt, Aussteigers kann hier nachgelesen werden: Rezesion von Eva-Maria zur Studie.

Das Evangelische Gemeindeblatt weiß aus der Studie Erschreckendes von dem Gründer und Missionsleiter Pfr. Heinrich Coerper (1863-1936) und dessen Nachfolger Missionsdirektor Ernst Buddeberg (1873-1949) zu berichten.

Coerper hat danach bereits 1915 geschrieben: „Das Judentum ist nicht eine Religion, sondern eine Rasse.“

Er war dann auch „einer der ersten Pfarrer in Württemberg …, der sich offen zum Führer bekannt hat.“ Auch Buddeberg begrüßt und unterstützt dem Artikel zufolge die NS-Herrschaft voll und ganz.

Es wird schließlich aus einer Stellungnahme zum Judentum zitiert:
„daß das unter dem Fluch des Messiasmordes stehende Volk für die anderen Völker ein Fluch ist“ und „Wir sind damit einverstanden, dass der Einfluss der Juden in unserem Vaterland in der kräftigsten Art un Weise unterbunden wird“.

Es werden daraus von der Liebenzeller Mission direkt Konsequenzen abgeleitet:
Buddeberg verfügt, beispielsweise dass keine jüdischen Ärzte mehr konsultiert werden dürfen. Es wird weiter berichtet, dass auch „zum Christentum konvertierte Juden abgelehnt werden“.

Als praktische und anschauliche, ja grausame Beispiele werden im Artikel angeführt:
– ein jüdischer Student dessen jüdische Abstammung ihn den Studienplatz bei der Liebenzeller Mission kostet. Er findet schließlich im Konzentrationslager den Tod.
– eine von der Liebenzeller Mission nach China entsandte Ärztin, der dort angekommen, wegen ihrer jüdischen Abstammung, die Aufnahme verweigert wird.

Auf der einen Seite ist der offene Umgang mit diesem Thema nur zu begrüßen.

Auf der anderen Seite bleibt die brennende Frage:
Warum so spät und wie sieht es in der Evangelischen Kirche insgesamt mit diesem Thema aus?
Man möchte rufen und fragen:
Gibt es da noch mehr dunkle und hässliche Flecken?

In Anlehnung an den heutigen Predigtext aus Lukas 6, 36-41 stehen folgende Fragen auf:
Was wurde und wird von den christlichen Kirchen, speziell der Evangelischen Kirche getan, um den eigenen Balken im christlichen Selbstverständnis zu bergen, bevor der Splitter in der Welt gezogen wird? Wie sieht es insgesamt mit der systematischen Aufarbeitung dieser Vergangenheit aus?
Genügt sich die Kirche in ihrer Stuttgarter Schulderklärung oder hatte und hat diese praktische und nachhaltige Konsequenzen?

Erkennt Christentum und Kirche sich selbst als ausschließlich aus und von Gottes Barmherzigkeit lebende und möchte Christentum und Kirche sich aus dieser Erkenntnis heraus, nachhaltig und glaubwürdig mit den in der Bibel verankerten Werten in die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts einbringen, dann kann die Studie der Liebenzeller Mission zu ihrer NS-Vergangenheit nur der Anfang gewesen sein.

Die lukanische Feldrede, in diesem Sinn verstanden und praktisch angewendet, kann so eine ungeheure Sprengkraft entwickeln und
in Kirche und Gesellschaft nachhaltige Veränderung hin zum Guten bewirken!

Gedenken an die Reichspogromnacht 1938

Lesung zum Gedenken an die Reichspogromnacht 1938

Diese Lesung habe ich für den Gottesdienst am 09.11.2014 10:00 Uhr in Nordheim verfasst und sie wurde dort auch durchgeführt.

Der Gottesdienst fand zusammen mit den Mitarbeitern des Evangelischen Jugendwerkes Bezirk Brackenheim statt.

Unter Nennung der Quelle, kann sie gerne verwendet werden.

Anregungen und Kritik zur Verbesserung sind willkommen!

Lesung_GedenkenPogromnacht_2014-11-09