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Predigt 1. Petrus 2, 2-10 Der geistliche Bau – persönlich und im Ganzen

Landsberg am Lech | Zu den Heiligen Engeln | Foto: Richard Mayer CC BY SA 3.0

Hören wir zunächst auf den Predigttext aus 1. Petrus 2, 2-10.
Dieser Abschnitt ist überschrieben mit „Das neue Gottesvolk“:
2 und seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein, auf dass ihr durch sie wachset zum Heil,
3 da ihr schon geschmeckt habt, dass der Herr freundlich ist.
4 Zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und kostbar.
5 Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.
6 Darum steht in der Schrift (Jesaja 28,16): »Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden.«
7 Für euch nun, die ihr glaubt, ist er kostbar. Für die aber, die nicht glauben, ist er »der Stein, den die Bauleute verworfen haben; der ist zum Eckstein geworden« (Psalm 118,22)
8 und »ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses« (Jesaja 8,14). Sie stoßen sich an ihm, weil sie nicht an das Wort glauben, wozu sie auch bestimmt sind.
9 Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk zum Eigentum, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht;
10 die ihr einst nicht sein Volk wart, nun aber Gottes Volk seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid (Hosea 2,25).

Liebe Gemeinde,

welche Dimensionen hat der Predigttext? Mein erster Versuch dem näher zu kommen war eine Mindmap. Darauf folgte eine Begriffssammlung. Dann der Besuch hier in der Ausstellung „ZWÖLF – Kirchenbauten der Nachkriegsmoderne in Baden-Württemberg“. Und schließlich ein paar Nachfragen an Tante Google zur Funktion von Eck- und Schlusssteinen. Das alles war dann so viel, dass ich mich auf wenige Punkte beschränken muss. Der geistliche Bau – persönlich und im Ganzen.

In der Wettbewerbsausschreibung zu diesem Bauwerk hier können wir lesen: „… Mittelpunkt des gottesdienstlichen Geschehens ist … die Gemeinde selbst, die zum Hören auf das verkündigte Wort und zum Empfang der Gaben der Sakramente versammelt ist. Deshalb sind Kanzel, Abendmahlstisch und Taufbecken … zu der versammelten Gemeinde in eine jeweils gleichwertige Beziehung zu setzen …“

Inzwischen ist dieser Gemeinde- und Sakralbau wie 150 andere aus der Nachkriegszeit auch ein Denkmal.

Nun, diese Predigt möchte ein wenig nachdenken. Nachdenken darüber, was uns heute bei all den Hiobsbotschaften verschiedener Studien zu Mitgliedschaft und Gottesdienstbesuch in Landes- und Volkskirche dieser Predigttext, die hier vorfindliche Architektur und die Wanderausstellung für Zeichen und Hinweise zu geistigem bauen mit lebendigen Steinen geben können.

Taufe – Christus, der Eckstein wird gelegt

Die Taufe. Sie legt für den eigenen, ganz persönlichen geistlichen Bau den Eckstein – Jesus Christus.

Der Eckstein ist der erste Stein, der beim Neubau gelegt wurde.
Er ist besonders groß und stabil, seine Konturen sind sauber bearbeitet. Der Eckstein trägt über Eck das Gebäude, verleiht den Seiten Stabilität und gibt Ihnen die Richtung vor. An ihm richtet sich der Rest aus und mit ihm erhält der Bau Stabilität und Zusammenhalt.

Am Eckstein können wir unsere eigenen Steine anlegen und auf diesen die Mauern und so schließlich das gesamte Gebäude aufbauen. Unsere eigenen Steine, oftmals unbehauen, unscheinbar und klein, manchmal verziert und kunstvoll, wie es das Leben eben mit sich und uns bringt. Sie sind alle notwendig, soll unser Bau gelingen.

Er, Christus sieht und erkennt uns wie wir sind. Da müssen wir selbst nichts tun, als unsere unbehauenen Steine an den Flanken des Ecksteins anzusetzen und ineinander zu fügen, an Christus auszurichten und auf ihm aufzubauen. Der Eckstein gibt dem eigenen geistlichen Bau notwendige Form und Richtung.

wertgeschätzt, geliebt und willkommen

Bei Christus bist du wertgeschätzt, geliebt und willkommen; gerade so wie du bist. In deinem ganzen Sein, deinen Gaben, aber auch deinen Unzulänglichkeiten und Schwächen. In ihm erfährst du für dich und deinen geistlichen Bau Tragfähigkeit, Zusammenhalt und Stabilität.

Deine ganz persönliche Geschichte und Geschichten, die du mit dir herumträgst und die dir manchmal eine so schwere Last sind. Diese vielen Steine und Steinchen im Gepäck…

Christus hat sie schon lange angenommen und getragen. Er ist schon lange versöhnt. Versöhne du dich selbst auch mit dieser deiner Geschichte. Wie Christus dich angenommen hat, so nimm du dich selbst an.

Mit allen Ecken und Kanten kannst du dich und deine Einzigartigkeit, mit all deinen Gaben in deinen geistlichen Bau einbringen. Leg die Steine an den Eckstein an, befreie dich von der Last diese mit dir herumzutragen und lass sie so ein Beitrag werden zu deinem ganz eigenen und persönlichen Bau, getragen und ausgerichtet durch den Eckstein Christus.

In der ruhigen Betrachtung und Würdigung jedes einzelnen deiner Steine und der Gesamtschau auf dich selbst, lässt Gott dich die wunderbare Herrlichkeit seiner Schöpfung und Gnade, deine Einzigartigkeit erkennen und wertschätzen. Und so kann sich dann ein Stein wunderbar in den anderen einfügen und das herrliche Gesamte ergeben.

In persönlicher Spiritualität Ruhe und Orientierung finden

Was kann mir dazu helfen, mich darin unterstützen?
In und durch die ganz persönliche Spiritualität finde ich oft Ruhe und Orientierung.

Das kann in der Bibellese, beim Forschen nach dem kulturellen Gedächtnis, dem Wiederholen empfangener Lehren, das mich zum verantwortlichen Leben führt, lebendig werden; Anleitung und Impuls für verantwortlichen und achtsamen Umgang mit mir selbst in der Schrift entdecken und für mich erschließen (siehe Dietrich Bonhoeffer „Widerstand und Ergebung“ von Eberhard Bethge „Nach zehn Jahren“ S. 9).

Ruhe, Kraft und Konzentration aus dem Rhythmus des Tagzeitgebets für das Wesentliche ziehen, für das, was jetzt gerade dran ist. Ein lebendiger Glaube, der die kleinste Hütte zum Bethaus werden lässt und meine sterbliche Hülle heiligt; Bewusstsein schafft für das was zählt in Alltag und im Miteinander.

Kontemplation, die innere Einkehr, lässt im Spiel von Loslassen und Fokussierung ein wunderbares Licht in meinem geistlichen Bau aufleuchten. Auf du und du mit GOTT, in meinem ganz persönlichen Raum der Stille und des Hörens auf Gott. Ich darf ein Geschöpf Gottes sein.

Gotteslob. Ein Lied auf den Lippen und im Herzen, versetzt Körper und Geist, unseren geistlichen Bau in sterblicher Hülle, in wunderbare Schwingungen, bringt göttliche Resonanz und Glanz hervor. Das steckt an.

Christliche Spiritualität – Mörtel und Speis zwischen unbehauenen, groben Steinen

Für mich werden diese Elemente christlicher Spiritualität zunehmend zu wertvollen Bau- und Lehrmeistern meines ganz persönlichen geistlichen Baus. Oder anders ausgedrückt, zu Mörtel und Speis zwischen meinen unbehauenen und groben Steinen, der die Ritzen füllt, alles zusammenhält und an den Eckstein fügt undmit ihm verbindet.

Kleine, kurze Übungen, aber stetige Übung sind hier für mich der Schlüssel zum Gelingen.

privat und öffentlich –
Individuum und Gemeinschaft

Von Christus lesen wir nicht selten, dass er sich zurückzog aus dem Geschehen, um mit sich und seinem Vater ins Gespräch zu gehen, zur Ruhe zu kommen. Trauen wir uns selbst auch immer wieder und regelmäßig unsere ganz persönliche Zeit einzufordern, zu nehmen und auch zu gestalten. Seelenpflege jenseits von Spa, Beauty und Wellness tut gut; sind die täglichen kleinen Oasen-Stopps im oft so rauen und wüsten Alltag.

Aber immer, um auch wieder zurückzukommen, um da zu sein für die Menschen um uns herum. Ich denke das gehört zusammen, das Wechselspiel zwischen privat und öffentlich, Individuum und Gemeinschaft.

Der geistliche Bau braucht Räume – Gemeinschaftsräume und Plätze.

Als Individuum bringen wir uns ein mit unseren ganz persönlichen Gaben, dem Sein selbst und es entsteht Gemeinschaft: bunt, lebendig, vielfältig, inspirierend, unverhofft und unerwartet, neu und immer wieder ganz anders. Der geistliche Bau. Und dieser braucht Räume – Gemeinschaftsräume und Plätze.

So ist es auch mit diesem Ort hier. Da hatten ein paar Leute Mut Neues zu wagen.

Hierzu Zitate aus dem Gästebuch zu dieser Ausstellung:
„Von außen eher dunkel,
abweisend, zeigt der Innenraum ein Licht von großer Schönheit.
Ruhig – einfach da.“

Der andere Eintrag vom 23.07.:
„In den 60er Jahren wurde verantwortlicher, mutiger gebaut als heute. Diesen Mut wünsche ich mir zurück.“

Und da sind wir bei einem Impuls, der vom Architekt gegeben, vom Betrachter wahrgenommen und heute hineingegeben wird in die Gemeinde.

Ruhig – einfach da.

Zum einen: Ruhig – einfach da.
Das drückt für mich das Beständige, das geerdet sein aus – einfach da.
»Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden.«

Kirche – Institutionen, Einrichtungen, Gebäude, Gemeinschaft und Individuum – einfach da.
Mitten im Ort, mitten unter den Leuten, für jede und jeden, ausnahmslos – einfach da.

Das ist der Anspruch, den Christus der kostbare Eckstein an sich, an seine ZWÖLF und an uns als in Christus getaufte, „… die ihr einst nicht sein Volk wart, nun aber Gottes Volk seid, …“ erhebt.

„Von außen eher dunkel,
abweisend, zeigt der Innenraum ein Licht von großer Schönheit.“

„… dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht; …“

Das ist der Auftrag. Mitten hinein sind wir als Christen gegeben in die Gesellschaft, in die Gemeinschaft.

Mut wünsche ich mir. Aufbruch wagen.

Und da hilft vielleicht die Mahnung und leise Hoffnung, kann Orientierung geben: „In den 60er Jahren wurde verantwortlicher, mutiger gebaut als heute. Diesen Mut wünsche ich mir zurück.“

Mut wünsche ich mir zurück. Lasst diesen Ort einen offenen Ort sein und bleiben. Lasst die Orte der Kirche, der Institutionen, der Einrichtungen, der Gebäude, einen offenen Ort sein und bleiben.

Patentrezepte? Gibt es nicht.
Schauen Sie sich die ZWÖLF, die 12 beispielhaften Exemplare an. Verschiedener und doch stringenter kann es kaum sein.

Da wurde nach dem Krieg ein Aufbruch gewagt. Neue technische Möglichkeiten, neue Anforderungen, neue Bürger von überall her in großer Zahl, …

Dort wird aus Spannbeton ein riesiges Zeltdach aufgespannt. An anderer Stelle wird mittels Glasfassaden völlige Transparenz nach draußen in den Wald hinein realisiert. Dagegen entsteht woanders ein meditativer Schutzraum. Dem zum Trotz wird wiederum ein sakraler Raum mitten in der Welt geschaffen. Der nächste Architekt realisiert die Vorstellung der Gemeinde nach tätiger Teilnahme der Gläubigen, nach Demokratisierung im gottesdienstlichen Raum mit Neugotik in Fertigbauweise.

Ja, wieviel Input will die Kirche, wollen wir noch?
Kirche fang an, fangen wir an diese Impulse zuzulassen!

Zitat aus dem Gästebuch:
„Durch die Ausstellung und die begleitende Literatur habe ich einen Zugang zu den modernen „Betonkirchen“ gefunden. Bereichernd.“

Ein anderes:
„Endlich sind wir nicht allein“

Und:
„Versammlungsort erster Güte
… könnte bedeuten, dass sich an diesem neu definierten Orten Menschen versammeln frei von konfessionellen Bindungen, frei von ideologischen Intentionen, im Sinne einer offenen Gesellschaft von Schwestern und Brüdern, in franziskanischen Geist und Sinn, ohne kirchlichen Dogmen, Macht und Deutungshoheit, eine zukunftsoffene, entwicklungsorientierte Menschheit, gegenüber Natur, Umwelt, Kosmos, ebenso brüder-schwester-lich verbunden und verantwortlich!…“

Der Mensch Jesus hat sich Zeit für sich genommen. Er hat sich aber auch vorbehaltlos den Menschen seiner Zeit zugewandt. Nehmen wir die Impulse, die unsere Zeit und unsere Umgebung uns gibt, auf. Reflektieren und spiegeln wir diese auf dem uns gegebenen Hintergrund, der Basis, dem Eckstein.
Und schließlich: Wagen wir den Aufbruch.

Der geistliche Bau –
ein mit Leben erfüllter Bau.

Bauen am geistlichen Bau einer Kirche, einer Gemeinschaft, die für alle offen und da ist. Keiner der Architekten hat geplant und sich eingebracht, um Ruinen zu bauen. Alle bringen sie ihr Persönliches ein, um ein Gemeinsames zu Schaffen – den geistlichen Bau, ein mit Leben erfüllter Bau.

Wie das konkret aussieht? Dazu muss jede Gemeinde vor Ort sich selbst finden. Vielleicht kann dazu die Erfahrung, die die Gemeinde hier vor der Ausschreibung zum Neubau gemacht hat, Anregung sein: Sie gingen auf Exkursion und haben sich in Frankreich Anregungen nach Sonnenberg geholt, einen Wettbewerb ausgeschrieben und den Entwurf aus der Schweiz realisieren lassen.

Will sagen: Über den Tellerrand schauen, Wettbewerb um die besten Ideen zulassen, um tragbare, individuelle Lösungen für die Veränderungen und konkreten Bedürfnisse vor Ort zu finden.

Christus – Eck- und Schlussstein

Christus wird zu allen unseren Bemühungen, den Schlussstein geben. Der Keilstein, der Spaltstein. Er ist der Stein, der das Gewölbe, den geistlichen Bau abschließt, zusammenhält und auf dem Eckstein ruhen lässt.

In diesem Sinne wünsche ich dem weiteren Verlauf der Wanderausstellung Gottes Segen und vielfältigen und reichhaltigen Input für den geistlichen Bau vor Ort.

Amen.

„Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.“ Phil 4, 7

Reminiszere – Joh. 3, 14-21

Liebe Gemeinde,

„Jesus und Nikodemus“. So ist der Abschnitt, aus dem unser Predigttext entnommen ist, überschrieben.

Ein nächtliches Lehrgespräch zwischen dem hohen jüdischen Gelehrten Nikodemus und Rabbi Jesu. Ein von Gott gekommener Lehrer muss Jesus sein, stellt Nikodemus fest.

Warum? Weil er Zeichen tut, die sonst keiner tun kann.
Bei Nacht sucht Nikodemus diesen geheimnisvollen Jesus auf. Dieser hat ihm offensichtlich keine Ruhe gelassen. Nikodemus kann nicht schlafen. Dieser Jesus und was von ihm zu hören ist, das treibt ihn um. Und so sucht er ihn auf, um mit ihm ein hoffentlich erhellendes Gespräch zu führen, um Klarheit für sich zu finden.

Sind wir nicht oft wie dieser Nikodemus?
In vielfältiger Weise von Nacht umgeben, suchen wir dieser zu entkommen. Erhellendes suchen wir und Klarheit möchten wir gewinnen.

Da fällt Ihnen jetzt sicher viel dazu ein.

Das eigene Leben zieht an einem vorbei und an der einen oder anderen Stelle steht ein großes Fragezeichen. Warum? – ruft es in uns. Und wie ein Stich fährt es durch unser Herz.

Komplizierte Beziehungen und verworrene Bindungen, die zu schaffen machen und einen innerlich wurmen.
Wie gerne würde man da manches geklärt und wo möglich bereinigt haben.

Der Mensch ein ruheloses und getriebenes Wesen. Seine Lebenswelt lässt ihm keine Ruhe. Immer weiter versucht er vorzudringen in der Welt der Wissenschaft. Den Kosmos im Großen möchte er erobern und im Kleinsten durchdringen.

Und er kommt an kein Ende. Ist eine Etappe geschafft, tun sich unendlich viel weitere auf, die zu schaffen sind. Und das in beide Richtungen; ins Äußerste und ins Innerste, ohne jemals an ein Ende zu kommen.

Wo ist der Grund auf dem wir abschließend gründen?
Und wo ist die Grenze, hinter der es kein Weiter gibt?
Wo finden wir Grund und Ursprung, wo das Letzte?
Wo ist endlich alles klar, licht und hell?

Nikodemus macht sich Gedanken über die letzten Dinge.
Wie oder wodurch schafft man sich Seligkeit; wie kommt man ins Reich Gottes.

Und er spürt, dieser Jesus könnte da einen Ansatz haben.

Jesus sagt es ihm:
Du bist zwar aus Wasser geboren, aber du musst auch aus dem Geist geboren werden, um ins Reich Gottes zu kommen.
Könnte man auch sagen, dein Geist muss sich erneuern?

Und schließlich kommt dieses Beispiel aus der Schriftlesung von heute: die eherne Schlange.
Da war unter den widrigen Bedingungen der Wüste die Beziehung zwischen dem Volk Israel und ihrem Gott und dessen Knecht Mose in Mitleidenschaft geraten. Sie war vergiftet.

Das kennen wir, oder? Es läuft nicht, wie wir uns das vorstellen. Und das schon eine ganze Weile. Misstrauen macht sich breit. Und dann kommt Sand ins Getriebe. Durch die Hitze kommt Druck auf und man wird der Sache müde und überdrüssig. Man glaubt nicht mehr an ein Weiterkommen. Durch die Trockenheit und endlose Weite wird man schwach. Ein guter Ausgang oder das Ziel rücken in unendliche Ferne.

Man fängt an zu murren, wird unwirsch. Sucht Schuldige und lässt seinem Frust freien Lauf.
Gut, wenn wir da etwas haben, an dem wir hochschauen können.
Eine Möglichkeit zum sich Abstützen und Aufrichten haben.

Bis heute ist z.B. der Äskulapstab, der Stab mit der Schlange, aus der griechischen Mythologie entsprungen, das Zeichen der Mediziner und Pharmazeuten.

Das Gift der Schlange kann töten. Das Gift der Worte und Gedanken kann ebenfalls töten. Das kann einen innerlich wurmen und zerfressen.
Ungeklärte Missverständnisse, Missgunst, Neid, Unzufriedenheit – alle diese Dinge lassen uns unser Leben als Wüste erscheinen und wir kommen nicht heraus.

Ein gutes Wort der Nachbarin, ein seelsorgerliches Gespräch, ein lachendes Kindergesicht, die Hilfe der Pflegerin oder der Ärztin.
Das alles kann uns guttun, dass es hell in uns wird. Auch die aufwachende Natur, die Sonnenstrahlen, das Zwitschern der Vögel, das neue frische Grün.
Wenn wir es wahrnehmen, in uns hineinlassen, bewusst betrachten, dann wirkt das Wunder.

Schon in irdischen Dingen, wie Jesus zu Nikodemus und uns durch den Predigttext sagt. Gut, wenn wir uns in der Heilkunde von heilsamen Worten, Gesten, Blicken und Taten auskennen und dies im Miteinander und untereinander üben.

Aber dabei bleibt Jesus nicht stehen. Er geht weiter und geht auf die von Nikodemus nicht gestellte Frage ein. Wie kommen wir ins Reich Gottes?

Und da spricht Jesus nun nicht mehr von den verschiedensten Heilmitteln und menschlichen Möglichkeiten.
Er spricht nicht mehr von etwas das wir tun, schaffen oder wozu wir etwas beitragen könnten.

Sondern er spricht vom Menschensohn und von Gottes Sohn, der erhöht werden muss.
Der sich indem er erhöht wird, aber am Kreuz gibt. Gott gibt sich für uns, für jeden von uns, für dich.

Er nimmt unsere Wüste, unser Leid, unsere Unvollkommenheit auf sich. Er nimmt unsere vergifteten und gestörten Beziehungen, unser Scheitern und alles was trennt und tötet auf sich.

Was fordert er? Den Glauben an ihn.
„…, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“
Schon jetzt.

Christus sagt uns: Wer glaubt!
Wer glaubt, der hat …

Und ich? Ich rufe zu Christus.
Ich rufe zu Christus mit offenen, aber leeren Händen:
HERR! „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9, 24)

Komme DU zu mir.
Schenke DU mir, dass mein Herz und meine Seele Vertrauen,
Vertrauen zu dir und deinem Wort fassen.

Mir ist das Geheimnis zu groß.
Zu groß, als dass mein Verstand es fassen könnte.

Darum HERR:
schenke meiner kraftlosen Seele – Glauben,
schenke meinem verzagten Herz – Liebe,
schenke meinem trüben Geist – Hoffnung.

Werde du mir zum Brot des Lebens,
damit ich mich ganz DIR hingeben,
ganz dir ergeben kann.

Dann wirst DU mir Brot, dein Fleisch mir Brot des Lebens.

Und ich habe volle Genüge aus dir,
volle Genüge in der Wüste meines Lebens.

HERR, dir sei Dank in Ewigkeit.

Amen


aponto/2019-03-17 – es gilt das gesprochene Wort

1. Advent 2018 – Predigt zu Matthäus 21, 1-9

Hören wir zunächst auf den Predigtext aus Matthäus 22, 1-9:
1 Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den
Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus
2 und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt. Und
sogleich werdet ihr eine Eselin ange-bunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir!
3 Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer.  Sogleich wird er sie euch überlassen.
4 Das geschah aber, auf dass erfüllt würde, was gesagt ist durch den
Propheten, der da spricht (Sacharja 9,9):
5 »Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.«
6 Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte,
7 und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider
darauf, und er setzte sich darauf.
8 Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.
9 Das Volk aber, das ihm voranging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!
10 Und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und
sprach: Wer ist der?
11 Das Volk aber sprach: Das ist der Prophet Jesus aus Nazareth in
Galiläa.

Liebe Gemeinde,

Jesus zieht ein!

Ho ho ho, da sind wir dabei!
Schnell, schnell lasst uns gehen und …
Mist, wir haben keine Geschenke dabei.

Schnell, schnell –
ein paar Palmzweige gebrochen und auf den Weg gestreut.
Hopp, hopp – die Mäntel auf den Weg gelegt.

Ha, ha, er kann kommen – Hosianna!
Oh, oh, und er kommt wie die Schrift sagt:
auf einem Esel zieht er ein.

Du! Da, der neue König! Hosanna!
Wer? Der Esel?

Nein, du Schwachkopf – der Prophet Jesu!
Kennst du denn das Wort des Propheten Sacharja nicht?
„Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.“ (Sacharja 9,9)

Ach, so… Hosanna, Hosanna!
Ruft alle mit! Hosanna, Hosanna!

Endlich wird alles gut!
Endlich wieder einen König, ganz nach dem Geschmack Gottes.
Viel mehr noch – ganz nach unserem Geschmack!

Endlich werden die Heilsversprechen wahr.
Endlich einer, der alle Probleme dieser Erde im Handstreich lösen wird. Ein Held, wie aus dem Film geschnitten. Ein Supermann!

A star is born!

So hoffte auch Jochen Klepper, der uns wohlbekannte Liederdichter, als er 1938 in „Der Vater“ schrieb:

„Herr, lass uns wieder einen König sehen,
bevor die Welt die Könige vergisst.
Denn sonst vermögen wir nicht zu verstehen,
nach welchem Maß man deine Ordnung misst.“

Ein Christ und Preuße durch und durch. Das Trauma nach 1914 präsent. Den Nationalsozialismus vor Augen, entwickelt er eine Gegenwelt zum braunen Sumpf und Morast: „… der König unter Gott, ihm unterstellt, in seinem Namen dem Volke dienend.“

Wo stehen die Völker heute?
Worin suchen diese heute ihr Heil?
Auf dem Weg so viele Heilsversprecher.

Wo stehen wir heute?
Worin sehen wir das Heil?

Die Sehnsucht nach dem Erlöser, dem Erlösenden, die Lösung, bei all den komplexen Themen und Problemen, dem unüberschaubaren Berg an Aufgaben, Anforderungen, der Komplexität und Vielschichtigkeit in unserem Dasein.

Hosanna! Ach, Herr, hilf doch!

Komm doch endlich einer, der Ordnung mache in diesem Chaos!
Einer der klare Kante zeigt und aufräumt.
Hosanna!

Und wenn er’s doch nicht richtet?

Dann jagen wir ihn halt zum Teufel.
Vielleicht richtet’s ja der nächste …
Einer wird’s schon richten.
Hosanna, hosanna!

So viele Heilsversprechen. So viel Glanz und Pomp.
So viele Irrlichter.

Und da kommt ER.

Auf einem Esel geritten;
liegt in der Futtergrippe im Viehstall.

Demütig, sanftmütig …

Sieht so der neue starke Mann aus?
Einer der sich durchsetzen wird?
Der auf den Tisch haut und reinen Tisch macht?

Klepper eröffnet uns eine andere Sicht:
Sohn eines Pfarrers – Theologiestudium abgebrochen.
Geheiratet – eine Jüdin, 13 Jahre älter und zwei Kinder im Gepäck.

Aber immerhin – getauft ist sie. Vielleicht schützt ja die Kirche.
Die große Tochter noch rechtzeitig nach England emigriert.

Trotz schriftstellerischem Erfolg und hoher Achtung beim Militär für
sein Werk „Der Vater“ – Berufsverbot.

Zum Kriegsdienst eingezogen – vielleicht hilf ja das.
Vielleicht beschützt dieser Dienst Frau und Tochter?

Nein, als wehrunwürdig aus dem Kriegsdienst entlassen.

Wie kann der nur mit einer Jüdin verheiratet sein und bleiben;
sich zu dieser Jüdin mit den fremden Kindern bekennen.

Die Schlinge zieht sich zu. Die Zwangsscheidung droht.

Einsatz für die Tochter. Einreise in die Schweiz wiederholt abgelehnt. Nach Schweden endlich doch zugesagt.

Ablehnung der Ausreise. Trotz eines Führsprechers durch Adolf Eichmann persönlich abgelehnt.

Die Deportation der geliebten Frau mit Tochter beschlossene Sache. Nein, ich lasse mich von euch nicht trennen.

Bis in den Tod – ich stehe zu euch.
Dann gehen wir gemeinsam in den Tod.

Letzter Eintrag im Tagebuch:
„10. Dezember 1942 –
Nachmittags die Verhandlung auf dem Sicherheitsdienst.
Wir sterben nun, ach, auch das steht bei Gott.
Wir gehen heute Nacht gemeinsam in den Tod.
Über uns steht in den letzten Stunden das Bild des segnenden  Christus, der um uns ringt. In dessen Anblick endet unser Leben.“

11. Dezember 1942:
Selbstmord der Familie im Schlaf durch Gas.

Der begonnene Abtransport von Frau und Tochter in die Vergasung am kommenden Tag wird erfolglos abgebrochen.

Jochen Klepper:
Der sich bewusst zu Frau und Kinder bekennt und nicht von deren Seite weicht. Der bewusst kein Gesetz bricht, um seine Pflichten zu erfüllen. Und in all dem Erlebten keinen Moment an Christus zweifelt, sondern vielmehr bewusst ins Leiden mitgeht; sich dem nicht entzieht.

Für mich schwere Kost.

Offensichtlich auch für andere:
Klepper – Theologe, Journalist und Schriftsteller, einer der
bedeutendsten Dichter geistlicher Lieder des 20. Jahrhunderts,
der nach Luther und Gerhardt dritthäufigste Autor in unserem evangelischen Gesangbuch. Und trotzdem – im Gegensatz zu Bonhoeffer nicht im Evangelischen Namenskalender zu finden.

Klepper – der Antiheld.

Einer der Jesu Leben und Worte ernst genommen hat.
In übertragenem Sinn auch auf einem Esel geritten ist.
Vielleicht aber auch der Esel selbst war.

Und wo stehe ich?
Am Wegesrand nach Jerusalem?
Hosanna, Hosanna!?

Die Nacht ist vorgedrungen:

1) Die Nacht ist vorgedrungen,
der Tag ist nicht mehr fern!
So sei nun Lob gesungen
dem hellen Morgenstern!
Auch wer zur Nacht geweinet,
der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet
auch deine Angst und Pein.

2) Dem alle Engel dienen,
wird nun ein Kind und Knecht.
Gott selber ist erschienen
zur Sühne für sein Recht.
Wer schuldig ist auf Erden,
verhüll nicht mehr sein Haupt.
Er soll errettet werden,
wenn er dem Kinde glaubt.

3) Die Nacht ist schon im Schwinden,
macht euch zum Stalle auf!
Ihr sollt das Heil dort finden,
das aller Zeiten Lauf
von Anfang an verkündet,
seit eure Schuld geschah.
Nun hat sich euch verbündet,
den Gott selbst ausersah.

4) Noch manche Nacht wird fallen
auf Menschenleid und -schuld.
Doch wandert nun mit allen
der Stern der Gotteshuld.
Beglänzt von seinem Lichte,
hält euch kein Dunkel mehr,
von Gottes Angesichte
kam euch die Rettung her.

5) Gott will im Dunkel wohnen
und hat es doch erhellt.
Als wollte er belohnen,
so richtet er die Welt.
Der sich den Erdkreis baute,
der lässt den Sünder nicht.
Wer hier dem Sohn vertraute,
kommt dort aus dem Gericht.

Amen

„Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre
eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.“ (Phil. 4, 7)

Andreas Ponto, 2018-12-02

Flaschenpost – Impuls zu 1. Mose 4, 9 – Wer ist mein Bruder?

Da sprach der HERR zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel?
Er sprach: Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein?

1. Mose 4,9

Flaschenpost

Auf einem der Fischzüge mit ihrem EU-Supertrawler vor der Westküste Afrikas im Jahr 2020 war es wieder soweit: das berstend volle Schleppnetz wurde eingeholt. Gerade noch rechtzeitig konnte Pablo die zwischen all den Fischen auf dem Fließband liegende Flasche herausangeln. Schnell war klar: die Flasche war verschlossen und ein Zettel lag darin.  Er nahm die Flasche zu sich und brachte sie nach Schichtende zum Kapitän. Dieser öffnete die Flaschenpost und holte den Zettel heraus. Darauf stand:
„Seit Jahrhunderten fangen wir an unseren Küsten Fisch. Nun sind die Meere leer. Seit Jahrhunderten wohnen wir hier an der Küste. Nun versinken unsere Häuser im nassen Sand.“

Im Sommerurlaub 2024 fand Lea beim spielen am Strand von Italien eine Flaschenpost und brachte den Fund freudestrahlend ihrer Mutter.  Erwartungsvoll öffneten sie zusammen die Post und die Mutter las vor:
„Mit unserem Flüchtlingsboot durften wir in Europa nicht anlanden. In Seenot gekommen, wurden wir von der libyschen Marine gerettet und zurück nach Afrika gebracht.“

Auf meiner lang ersehnten Wüstentour im Jahr 2026 sah ich im heißen Wüstensand eine Flasche glitzern. Wie ein Brennglas hat sie mich geblendet.  Darum habe ich sie aufgehoben und war erstaunt darin einen Zettel zu finden. Neugierig habe ich diesen herausgeholt und gelesen:
„Mein Meer war leer,
mein Strand versunken,
Europa abgeriegelt,
die Wüste zu trocken.“

© aponto / 28.07.2018

Predigt zu Joh. 4, 46-54

Joh. 4, 46-54 – Heilung des Sohnes eines königlichen Beamten

46 Und Jesus kam abermals nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. Und es war ein Mann im Dienst des Königs;
dessen Sohn lag krank in Kapernaum. 47 Dieser hörte, dass Jesus aus Judäa nach Galiläa gekommen war, und ging hin zu ihm und bat ihn,
herabzukommen und seinen Sohn zu heilen; denn der war todkrank. 48 Da sprach Jesus zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht,
so glaubt ihr nicht.
49 Der königliche Beamte sprach zu ihm: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt! 50 Jesus spricht zu ihm: Geh hin, dein Sohn lebt! Der Mann
glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. 51 Und während er noch hinabging, begegneten ihm seine Knechte und sagten:
Dein Kind lebt. 52 Da fragte er sie nach der Stunde, in der es besser mit ihm geworden war. Und sie antworteten ihm: Gestern um die siebente
Stunde verließ ihn das Fieber. 53 Da merkte der Vater, dass es zu der Stunde war, in der Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt. Und er
glaubte mit seinem ganzen Hause. 54 Das ist nun das zweite Zeichen, das Jesus tat, als er aus Judäa nach Galiläa kam.

Liebe Gemeinde,

die Liebe:
Zwei Menschen sind sich zugetan, lernen sich kennen. Man öffnet sich dem Gegenüber, wird persönlich, vertraut und zugleich so verletzlich.  Man gibt von sich preis und vertraut. Man empfängt. Ein sehr fragiles Gebilde entsteht. Eine Partnerschaft, die einmal durch dick und dünn gehen soll, entsteht. Eine Partnerschaft fürs Leben. Schließlich gehen daraus Kinder hervor. Für mich als Vater der größte Schatz, den so eine Partnerschaft, so eine gewachsene Liebe, hervorbringen kann. Das eigene und das gemeinsame Fleisch und Blut. Das Gemeinsame, das Wertvollste und Wunderbarste.
Ein Wunder Gottes!

Plötzlich kommt dieser Schatz, die Hoffnung, die Zukunft in Gefahr. Alles droht zusammenzubrechen. Alles ist in Gefahr! Alle Warnlampen auf Rot! Der Boden wankt unter den Füßen. Verzweiflung pur! Nackte Angst! Alles, die gesamte Existenz, alles was einem Freude und Glück bereitet, alle Hoffnung, alle Zukunft für die es sich zu Leben lohnt, droht ins Bodenlose gerissen zu werden. Der Tod droht in seiner unerbittlichen Art dieses Geschenk Gottes schon vor der Zeit aus dem Leben zu nehmen, den glücklichen Eltern aus den Händen zu reißen!

Vielleicht ist das der Grund, warum Johannes in dieser Erzählung vom Wunder der Fernheilung aus dem Knechten des Hauptmann, wie bei Lukas geschrieben ist, das eigene Kind des Beamten, den Sohn, werden hat lassen. Um das Zeichen, den Hinweis auf Jesus Christus noch deutlicher und markanter hervortreten zu lassen.

In seiner eigenen Weise hat Johannes dieses Wunder weitererzählt und für Suchende und Glaubende gleichermaßen erschlossen.
Wunder als Zeichen, als Hinweis auf etwas viel Größeres. Wunder nicht als Selbstzweck!

Was die eigenen Leute von Jesus nicht erkannt hatten. Dieser römische Beamte, dem war das in seiner Verzweiflung sonnenklar und alle gesellschaftlichen Barrieren waren für ihn einfach nicht existent. Jesus ist hier nicht in Kapernaum, sondern im rund 30 Km entfernten Kana soll er sein. Und der Beamte schickt nicht seine Knechte Jesus zu holen, nein er macht sich als Vater selbst auf den Weg, hin zu Jesus.

Wie hin- und hergerissen muss er sein. Was, wenn das Kind während der zweitägigen Abwesenheit stirbt? Was hilfts! Ich muss zu ihm gehen und ihn holen! Nur dieser Jesus kann jetzt noch helfen.

Johannes sagt im Anfang seines Evangeliums:
Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen.

Und im Selbstzeugnis Jesu heißt es bei Johannes, Kapitel 8:
Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern das Licht des Lebens haben.

Johannes schreibt sein Evangelium in dem Bestreben, Menschen in der Nachfolge Jesu, im Glauben, den Zugang zum Licht des Lebens und damit zum Reich Gottes zu eröffnen.

Als der Beamte Jesus schließlich in dem Bergdorf findet, bittet er ihn, hinunter an den See Genezareth nach Kapernaum zu kommen, um dem todkranken Sohn zu helfen. Wir erleben, dass Glaube mit Vertrauen beginnt: Der Vater vertraut allein Jesus in seiner Sorge um seinem sterbenden Sohn die Heilung zu. In seiner Not und Angst wird Jesus seine Hoffnung.

Falls Jesus an dieser Stelle wirklich gesagt haben sollte, dass Menschen zum Glauben Zeichen und Wunder brauchen, kann er nicht diesen Vater gemeint haben. Er kam voller Vertrauen zu ihm. Was Jesus bei ihm sicher schon gespürt hat, wird in der Antwort des Vaters ganz deutlich:  „Herr, komm, ehe mein Kind stirbt!“ Er ist voller Vertrauen, dass Jesus seinen Sohn heilen kann. Und die eigentliche Geschichte ist damit schon fast erzählt. In zwei drei Sätzen ist vermeintlich alles gesagt.

„Geh hin, dein Sohn lebt!“, sagt Jesus, und das Vertrauen des Vaters wandelt sich in Glauben. Er glaubt und geht zurück. Auf dem Heimweg kommen ihm seine Knechte mit der Botschaft entgegen: „Dein Sohn lebt!“ Auf Nachfragen erfährt er von ihnen, dass die
Besserung zeitgleich mit der Ansage Jesu eingetreten ist. Sein Vertrauen in Jesus erfährt Bestätigung, und es entsteht ein tiefer Glaube an Jesus. Dieser Glaube erfasst seine ganze Existenz und gewinnt so sehr an Kraft, dass sein ganzes Haus davon erfasst wird.

Johannes zeigt uns in dieser Geschichte die Entstehung eines tiefen und starken Glaubens, der aus einem sicheren und zuversichtlichen
Vertrauen durch das Zeichen der Liebe Gottes in der Tat Jesu wächst.

Der Neutestamentler Söding macht darauf aufmerksam, dass Wunder bei Johannes „Zeichen“ genannt werden, weil dieser sie dem Offenbarungsauftrag Jesu zuordnet.

Den Grund der Offenbarung Gottes durch Jesus beschreibt Johannes in seiner Vorrede des Evangelium durch ein Bild: der einziggeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist: Er ist Verkündiger der Herrlichkeit Gottes. Wunder Jesu als Zeichen der Herrlichkeit Gottes in der Weite der Offenbarung Jesu. Das hat mit wahrer Tiefe des Glaubens zu tun und mit der Einsicht in die Offenbarung Jesu.

Söding schreibt dazu: „Die Wunder Jesu wecken den Glauben – der oberflächlich bleibt, wenn er die Wunder nur als Wunder sieht,
und in die Tiefe geht, wenn er sie als Zeichen zu lesen versteht.“

Den königlichen Beamten bringt die Liebe zu seinem Kind auf den Weg zu Jesus. Das irdische Glück der väterlichen Liebe ist durch den Tod bedroht, aber seine Liebe gewinnt eine neue Dimension durch die Liebe Gottes. Im Zeichen der Wunderheilung durch Jesus wird dieses Geschehen für ihn erlebbar – und gleichzeitig wächst auch sein Glaube und entzündet den Glauben in seinem ganzen Haus.

Wie ist es mit unserem Glauben bestellt?
Wo hat er seinen Grund?
Durch welche Zeichen der Liebe Gottes in unserem Leben hat er an Tiefe gewonnen?

Andere Fragen können aber auch sein:
Wann und wo hat unser Vertrauen zu Gott gelitten?
Wo haben sich Zweifel an der Liebe Gottes gemeldet?
Wo haben wir angefangen, über angebliche Ungerechtigkeiten Gottes nachzudenken?

Vielleicht müssen wir uns auch Fragen stellen wie:
Wann hast du aufgehört, auf Gottes Zeichen und Spuren in deinem Leben zu achten?
Wann hast du aufgehört, auf deinen inneren Frieden zu achten?
Wann hast du aufgehört, dich zu lieben?
Wann hast du aufgehört, dir zu vertrauen?

Hin und wieder werden wir von Bekannten oder Freunden in Gespräche über Gott, die Welt und die Kirche gezogen. Vielleicht kennen wir solche Gespräche, in denen Menschen auf diese Weise nach unserem Glauben fragen, weil sie selbst starke Glaubenszweifel haben oder ihnen ihr Glaube ganz abhanden gekommen ist.

Schnell wird man mit Behauptungen über das Versagen der Kirchen und die Ungerechtigkeit Gottes konfrontiert und bald auch mit der Aussage, dass es Gott nicht geben könne, wenn die Welt so aussieht, wie sie aussieht.

Der eigene Glaube wird dabei schonungslos auf die Probe gestellt. Das Schwierige dabei ist: Man kann den Glauben nicht beweisen oder mit Argumenten verteidigen. Man kann auch sein Herz nicht heraushalten. Schnell bekommt man zu spüren: der Glaube ist eine persönliche, sehr intime Angelegenheit.

Man muss sich bekennen – auch zu manchem, was einem vielleicht unangenehm ist: zu eigenem Versagen, eigenen Zweifeln, zu eigener
Ungerechtigkeit, eigener Schuld. Das ist keine Schande in einem offenen und ehrlichen Gespräch, und es führt meist zu Nachdenklichkeit beim Gegenüber. Wenn man dann davon sprechen kann, dass man die eigenen Unzulänglichkeiten aushalten kann, weil es einen gibt, der trotz allem Ja zu einem selbst sagt, kann es eine Wendung im Gespräch geben.

Vielleicht können wir davon sprechen, dass sich Glaube an Gott aus Vertrauen entwickeln kann. Die Geschichte vom königlichen Beamten und seinem großen Vertrauen zu Jesus erzählt davon.

Von Vertrauen und Liebe zeugen. Und auch vom Scheitern menschlicher Bemühungen in diesen Bereichen reden.
Gottes Hilfe bekennen, dass er mich mit seinem Ja zu mir nicht im Scheitern versinken lässt, sondern mich hält und mir hilft.

Für Menschen ist es gut, dass es christliche Kirchen gibt, die das Evangelium weitergeben und vom Glauben erzählen. Der Religions-
und Konfirmandenunterricht kann nur eine erste Grundlage für Heranwachsende sein. Die Weitergabe von Glauben allein durch
Hörensagen reicht nicht aus.

Mit Glauben im Sinn von „für richtig halten“ bewältigen wir unser tägliches Leben in der realen Welt. In den Grenzsituationen unseres
Lebens trägt das nicht mehr.

Es ist viel mehr nötig: seelische Kraft. Wenn wir einen vertrauensvollen Zugang zu Gott gewinnen und uns in seiner Liebe sicher und geborgen fühlen, dann werden wir, wie es im Psalm heißt (Psalm 18,30), mit unserem Gott über Mauern springen können.

Glaube, Liebe und Vertrauen wachsen, wenn sie gelebt werden und davon gezeugt wird.

Amen

 

Andreas Ponto, 2017-01-22
Es gilt das gesprochene Wort.
Verwendete Vorlage: Predigt zu Johannes 4:46-54 von http://www.theologie.uzh.ch/predigten/

Predigt Mt 5, 13-16

Predigttext aus Mt 5, 13-16:
„Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.
Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter;
so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“

Liebe Gemeinde,

wie geht es Ihnen, wenn Sie diese Sätze hören?
Angesprochen oder eher nicht?
Was sind diese Worte für Sie? Zuspruch, Aufmunterung?
Anspruch oder übersteigerter Anspruch?
Selbstverständnis!?
Ehre, Erwählung!?!
Berufung, Sendungsbewusstsein, Missionsauftrag?!

In der Folge des Kirchentages habe ich einige Kommentare von beurteilenden Christen gelesen und gehört, die zusammengefasst für mich in etwa so lauteten:
Die Evangelische Landeskirche ist keine missionierende Kirche mehr.
Zum Glück gab es den Christustag auf dem Kirchentag, da wurde Christus wenigstens noch verkündigt. Der Kirchentag dagegen ist eher ein gesellschaftspolitisches Ereignis.

Auf der anderen Seite werden aus der zunehmend säkularen Gesellschaft Angriffe wie folgende laut:
Wollt ihr Christen denn etwas Besseres sein? Mit welchem Anspruch tretet ihr denn auf? Kümmert euch doch erst mal um eure Schulen und Heime, dass dort alles mit rechten Dingen zugeht. Und überhaupt, mit welchem Recht bekommt ihr so viel Geld vom Staat?

Aus dem Kreis mancher Teilnehmer des Kirchentages habe ich aber auch ganz andere Botschaften wahrgenommen. Strahlende Gesichter, ergriffene Herzen, bewegte und aufgewühlte Gemüter. Glaubenslicht, das neu und kräftig strahlt, das Herzen und Menschen bewegt.
Gewonnene Eindrücke und Einsichten, die das künftige Leben mit und aus Christus bestimmen.

Verbunden mit dem heutigen Predigttext höre und lese ich viele steile Ansprüche, die Christen für sich reklamieren.
Wir Christen sind das Licht der Welt und das Salz der Erde. Ohne uns fehlt etwas in der Welt. Ohne uns ist die Welt trostlos. Die Welt braucht uns! Selbstverständlich kommt dann immer noch der Zusatz hinzu – aus Christus!

Ich möchte eine Frage stellen. Braucht Christus uns? Ist er auf uns und unsere Kirche angewiesen? Geht ohne uns nichts?!

Matthäus hat schon lange eine Antwort darauf gegeben. In Mt 3 sagt Johannes der Täufer zu denen, die sich von ihm Taufen lassen:
„Denkt nur nicht, dass ihr bei euch sagen könntet: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott vermag dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken.“

Das sind harte Worte, aber was meint Matthäus damit? Ich möchte später darauf zurück kommen.

Unserem heutigen Predigttext gehen ganz elementare Worte voraus und er ist der Zielpunkt dieser. Ich möchte diese uns als kleine Meditation vorlesen:
„..Jesus tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:
Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, …“

Die neun Seligpreisungen. Unser Predigttext ist der Ziel und Höhepunkt dieser Seligpreisungen.

„Ihr seid das Salz der Erde. …“
„Ihr seid das Licht der Welt. …“

Wenn ich diese Worte in den Zusammenhang bringe und als Ganzes auf mich wirken lasse, so kann ich nicht erkennen, wo hier ein Statusrecht festgemacht werden kann. Wir die Christen? Wir die christliche Kirche?

Für Matthäus ist hier aber vielmehr ein unauflöslicher Zusammenhang zwischen Sein und Tun.

Damit wir uns nicht falsch verstehen. Gottes Liebe, Gnade und Heil ist unverdient. Keiner kann sich durch Werke Heil schaffen.

Theologisch gesprochen, könnte man auch sagen:
„Der (Heils-) Indikativ steht vor dem (Heils-)Imperativ. Damit ist gemeint, dass der Mensch nicht deshalb vor Gott als »gerecht« gilt, weil er der Aufforderung nachkommt, bestimmte Gebote zu erfüllen (= Imperativ, von lat. imperare: befehlen), sondern weil er bereits vor allem Tun – durch Gottes Gnade – als gerecht gilt (= Indikativ, von lat. indicare: anzeigen). Gleichwohl erwächst aus der Rechtfertigung (Indikativ) die Bereitschaft zum Tun des Guten (Imperativ).“ (Quelle)

Allein durch Gottes Gnade sind wir Kinder Gottes, dem Tod entrissen und gerechtfertigt vor Gott.

Aber für Matthäus ergibt sich daraus für Gemeinde und Kirche eine klare und eindeutige Konsequenz. Das Leben in und aus Christus, woraus ein klarer ethischer Anspruch an Christen erwächst. Die sogenannte bessere Gerechtigkeit.

Und so fragt dann analog zu Johannes wenig später auch Jesus als er auf seine Familie angesprochen wird:
„Er antwortete aber und sprach …: Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder? Und er streckte die Hand aus über seine Jünger und sprach: Siehe da, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! Denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter. „

Ich möchte es so formulieren:
Christ sein ist kein Status, sondern ständiger Auftrag von Christus!
Kirche Christi sein ist primär keine definierte Institution, sondern lebendige Gemeinschaft in Christus mit Schwester und Bruder!

Nun komme ich auf die Eingangs berichteten Reaktionen und Kommentare zum diesjährigen Kirchentag zurück.

Wenn evangelikale oder bibeltreue Christen uns landeskirchlich verfassten Christen das rechte Christsein absprechen, schreckt mich das wenig. Wenn diese der Kirche vorwerfen, dass sie zu wenig missionarisch unterwegs ist und sich stattdessen zu sehr gesellschaftspolitisch profiliert, interessiert mich das ebenfalls herzlich wenig.

Wenn aber unsere zunehmend säkulare europäische Gesellschaft feststellt, dass der christliche Glaube in den ethischen und
gesellschaftspolitischen Diskurs nichts mehr einzubringen vermag und auch kein leuchtendes Beispiel mehr darstellt, dann komme ich ins ernsthafte Nachdenken.

Das ist für mich, sollte sie berechtigt und begründet sein, Kritik, die ernst zu nehmen ist.

Denn ich habe vorhin zwischen den Seligpreisungen und unserem Predigttext eine Stelle ausgelassen, die jetzt zum Zug kommt:
„Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, wenn sie damit lügen. „

Und in unserem Predigttext lesen wir:
„… wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.“
„… Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein.
Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. „

Liebe Gemeinde,
das muss uns aus meiner Sicht als Christen und christliche Kirche ernste Mahnung und ständiger Prüfstein sein.

Lassen wir uns nicht mit exklusiven Scharfmachern und radikalen Fundamentalisten, die spalten und abgrenzen, ein. Ich persönlich wehre mich dagegen, dass unsere Kirche sich zu sehr mit diesen konservativen Kräften innerhalb und am Rande unserer Kirche abgibt.

Ein kritischer Dialog, mit klarer Kante – ja. Aber kein Kuschelkurs! Hier ein entschiedenes Nein!

Denn sie macht sich selbst damit, und aus meiner Sicht auch völlig zu Recht, für den Großteil der Gesellschaft suspekt und fragwürdig.

Prüfen wir vielmehr immer wieder neu, ob wir im Sinn der Bergpredigt Salz der Erde und Licht der Welt sind. Christus ist gekommen zum Heil möglichst aller, unabhängig von Herkunft und Status.

Darum gilt auch der Ziel- und Fluchtpunkt des MtEv in Mt 28, 16-20
„Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Dieses hier angesprochene Taufen und Lehren erfolgt nach meiner tiefen Überzeugung nicht durch heilsexklusive Ansprüche und hochgehaltenem Staus wie, „Wir Christen hier drinnen und ihr Heiden dort draußen“, sondern allein dadurch, dass wir Salz der Erde und Licht der Welt, also integraler Bestandteil und elementarer Beitrag aus Christus in und für diese Welt sind.

Mit Paulus könnte man daher auch noch sinngemäß aus 1. Kor 9 einwerfen: Dem Jude ein Jude, dem Griechen ein Grieche, .. !

Dann kann Christus uns in dieser Welt gebrauchen und sein Reich verwirklichen.

Amen

Andreas Ponto, 2015-07-26 – Es gilt das gesprochene Wort