Freundschaft

Predigt zu Lukas 18, 31-43 über Freundschaft – Estomihi

Freundschaft

Hören wir zunächst auf den Predigttext aus Lukas 18:

Die dritte Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung

31 Er nahm aber zu sich die Zwölf und sprach zu ihnen: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.
32 Denn er wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und misshandelt und angespien werden,
33 und sie werden ihn geißeln und töten; und am dritten Tage wird er auferstehen.
34 Sie aber verstanden nichts davon, und der Sinn der Rede war ihnen verborgen, und sie begriffen nicht, was damit gesagt war.

Die Heilung eines Blinden bei Jericho

35 Es geschah aber, als er in die Nähe von Jericho kam, da saß ein Blinder am Wege und bettelte.
36 Als er aber die Menge hörte, die vorbeiging, forschte er, was das wäre.
37 Da verkündeten sie ihm, Jesus von Nazareth gehe vorüber.
38 Und er rief: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!
39 Die aber vornean gingen, fuhren ihn an, er sollte schweigen. Er aber schrie noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner!
40 Jesus aber blieb stehen und befahl, ihn zu sich zu führen. Als er aber näher kam, fragte er ihn:
41 Was willst du, dass ich für dich tun soll? Er sprach: Herr, dass ich sehen kann.
42 Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube hat dir geholfen.
43 Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach und pries Gott. Und alles Volk, das es sah, lobte Gott.

Liebe Gemeinde,

um Freundschaft soll es in dieser Predigt heute gehen.
Als kleine Einstimmung habe ich Ihnen etwas mitgebracht:

Comedian Harmonists: Ein Freund, ein guter Freund.

Haben Sie die beste Freundin, den besten Freund?
Und wenn ja, wie viele davon?

Der Begriff Freundin ist ein Begriff, der im Deutschen ursprünglich eine Verwandte bezeichnet. Dabei kann damit ganz weitläufige Verwandtschaft, die engste Blutsverwandtschaft, bis hin zu geliebten Intimperson beschrieben sein.

Mit dem Begriff der Freundschaft wird eine mitmenschliche Beziehungsform der Wirheit, der Ich-Du-Beziehung und dessen Qualität beschrieben; ebenso wie in Ehe oder Kameradschaft. Und Sie merken sicher gleich, da gibt es viele ineinanderfließende und sich überschneidende Bereiche, Übergänge zwischen den genannten Begriffen.

Im Begriff der Freundschaft kann unmöglich eine eindeutige theoretische und begriffliche Definition gesucht und gegeben werden. Zu viele Beziehungen und deren Qualitäten werden mit diesem Begriff angesprochen und müssen im jeweiligen Kontext und Sozialgefüge ausgedeutet werden.

Die ganze Existenz des Individuums, der Einzelnen, im Verhältnis zu Gott, der Nächsten, dem Selbst und der Welt wird verhandelt. Da schwingt viel mit: Gottesfreundschaft, Seelenverwandtschaft, erotische An- und Beziehung, wie auch die selbstlose Hingabe – kurz Philia, Eros und Agape, und auch storge love.

Mit dem Begriff der Freundschaft kommt weiter relativ schnell der Begriff des Bundes zwischen zwei Menschen ins Spiel, der Bund zwischen Menschen in den verschiedensten sozialen Gefügen und der Gesellschaft, der Bund zwischen zwei Völkern. Aber auch der Bund zwischen Gott und dem Menschen. Abraham wird als Gottes Freund bezeichnet. Zu Mose redete der Herr wie mit einem Freund.

Bei Johannes ist die Gemeinschaft mit Christus als Freundschaft bezeichnet und die Jünger sind Jesu Freunde. An anderer Stelle fragt Jesus: „Wer ist meine Mutter und meine Brüder? Und er sah ringsum auf die, um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! Denn wer den Willen Gottes tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.“ (Mk 3, 33-35)

Bei Hiob z.B. machen sich die drei Freunde auf, um im Leid mit und bei ihrem Freund Hiob zu sein.

philia honesti – die Freundschaft unter Edlen hat es mir besonders angetan: die sich in die Seele blicken. Wer das erleben darf, sieht und spürt den Funken des Göttlichen in der/dem Nächsten aufblitzen – unbeschreiblich, im eigenen Selbst erschütternd, anrührend, bewegend.

Und dann kommt es schon mal vor, dass jemand neben dir steht, dich in den Arm nimmt und plötzlich zu dir sagt: mein Bruder / meine Schwester. Und du sagst, aus tiefster Seele heraus, Ja dazu. Und doch geht jede und jeder wieder stillvergnügt seinen ihr / ihm zugedachten Weg, aber in einer neuen Qualität der sicheren Verbundenheit, der Gewissheit in allem nicht allein zu sein.

Da ist jemand die/der mit dir geht, fest, unverbrüchlich und treu zu dir steht.

„Er nahm aber zu sich die Zwölf und sprach zu ihnen: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. Denn er wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und misshandelt und angespien werden, und sie werden ihn geißeln und töten; und am dritten Tage wird er auferstehen. Sie aber verstanden nichts davon, und der Sinn der Rede war ihnen verborgen, und sie begriffen nicht, was damit gesagt war.“

Und sie gehen mit. Auch wenn sie nichts verstehen und keine Ahnung davon haben, was da jetzt in der vor ihnen liegenden Zeit alles passieren wird und warum: Sie gehen mit ihm, ihrem Freund mit.

Doch schon auf dem Weg straucheln sie an der Realität am Wegesrand. Da sitzt ein Blinder. Als ihm auf Nachfrage verkündet wird, wer da vorbeigeht, ruft und schreit er: „Jesus von Nazareth, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ Aber sie wollen ihn zum Schweigen bringen, fernhalten von ihrem Freund, den Freund schützen auf seinem Weg.

Wird so Christus verkündigt? Das müssen wir uns hier an dieser Stelle fragen lassen.

Wie verkünden wir Christus? Indem wir mit ihm mitgehen, aber blind sind, wo Blinde sehen? Seinen Namen verkünden, aber seinen Willen nicht nur nicht tun, sondern sogar hindern? Hindern, indem wir das Rufen und Schreien nach Hilfe, Erbarmen, Heilung und Erlösung zum Verstummen bringen wollen?

Verkündigt da der Rufer nicht viel mehr Christus? „Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach und pries Gott. Und alles Volk, das es sah, lobte Gott.“ Der Blinde schafft, dass auch die, die zwar sahen, aber nicht verstehen, wahrhaft sehend werden und Gott loben.

Indem wir wahre Begegnung zulassen, werden wir Christus erleben und in wahrhaft verkünden. Heute haben wir in der Taufe von S… in Wort und Zeichen zugelassen, dass Christus in unsere Wirklichkeit einbricht, Gott im Heiligen Geist auf einen Menschen herabkommt. Christus als Freund an dessen Seite durch die Zeit mitgeht.

Lassen wir auch in der weiteren Laufbahn dieses Menschen zu, dass wir uns begegnen, füreinander da, einander zugetan sind, in Beziehung stehen, in Christus verbündete, einander in die Seele blicken lassen, als von Gott inspirierte wahre Freundschaft in Christus leben und auf dem Weg nach Jerusalem die am Wegesrand wahrnehmen, ihnen uneigennützig aufhelfen und mitnehmen.

„Denn wer den Willen Gottes tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.“ (Mk 3, 35)

So kann Christus offenbar werden, sich ereignen und schon im Hier und Jetzt konkret werden, indem wir aktiv mit Christus konkreten Handeln und Werden in dieser, unseren Zeit rechnen. Uns unserer eigenen Taufe bewusst, ihm so tätig, praktisch und aktiv den Weg bereiten und IHN zu seiner Zeit und jetzt empfangen. In Christus uns zu Schwester und Bruder werden.

Christus, unser Bruder, der für uns hinauf nach Jerusalem und unters Kreuz gegangen ist, wird auch uns, als wahrer Freund, am Wegesrand wahrnehmen, einsammeln, und mit unter unser Kreuz gehen.

So können auch wir mit IHM dereinst in Herrlichkeit auferstehen.

Amen

Es gilt das gesprochene Wort. aponto, 2020-02-23

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