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Reminiszere – Joh. 3, 14-21

Liebe Gemeinde,

„Jesus und Nikodemus“. So ist der Abschnitt, aus dem unser Predigttext entnommen ist, überschrieben.

Ein nächtliches Lehrgespräch zwischen dem hohen jüdischen Gelehrten Nikodemus und Rabbi Jesu. Ein von Gott gekommener Lehrer muss Jesus sein, stellt Nikodemus fest.

Warum? Weil er Zeichen tut, die sonst keiner tun kann.
Bei Nacht sucht Nikodemus diesen geheimnisvollen Jesus auf. Dieser hat ihm offensichtlich keine Ruhe gelassen. Nikodemus kann nicht schlafen. Dieser Jesus und was von ihm zu hören ist, das treibt ihn um. Und so sucht er ihn auf, um mit ihm ein hoffentlich erhellendes Gespräch zu führen, um Klarheit für sich zu finden.

Sind wir nicht oft wie dieser Nikodemus?
In vielfältiger Weise von Nacht umgeben, suchen wir dieser zu entkommen. Erhellendes suchen wir und Klarheit möchten wir gewinnen.

Da fällt Ihnen jetzt sicher viel dazu ein.

Das eigene Leben zieht an einem vorbei und an der einen oder anderen Stelle steht ein großes Fragezeichen. Warum? – ruft es in uns. Und wie ein Stich fährt es durch unser Herz.

Komplizierte Beziehungen und verworrene Bindungen, die zu schaffen machen und einen innerlich wurmen.
Wie gerne würde man da manches geklärt und wo möglich bereinigt haben.

Der Mensch ein ruheloses und getriebenes Wesen. Seine Lebenswelt lässt ihm keine Ruhe. Immer weiter versucht er vorzudringen in der Welt der Wissenschaft. Den Kosmos im Großen möchte er erobern und im Kleinsten durchdringen.

Und er kommt an kein Ende. Ist eine Etappe geschafft, tun sich unendlich viel weitere auf, die zu schaffen sind. Und das in beide Richtungen; ins Äußerste und ins Innerste, ohne jemals an ein Ende zu kommen.

Wo ist der Grund auf dem wir abschließend gründen?
Und wo ist die Grenze, hinter der es kein Weiter gibt?
Wo finden wir Grund und Ursprung, wo das Letzte?
Wo ist endlich alles klar, licht und hell?

Nikodemus macht sich Gedanken über die letzten Dinge.
Wie oder wodurch schafft man sich Seligkeit; wie kommt man ins Reich Gottes.

Und er spürt, dieser Jesus könnte da einen Ansatz haben.

Jesus sagt es ihm:
Du bist zwar aus Wasser geboren, aber du musst auch aus dem Geist geboren werden, um ins Reich Gottes zu kommen.
Könnte man auch sagen, dein Geist muss sich erneuern?

Und schließlich kommt dieses Beispiel aus der Schriftlesung von heute: die eherne Schlange.
Da war unter den widrigen Bedingungen der Wüste die Beziehung zwischen dem Volk Israel und ihrem Gott und dessen Knecht Mose in Mitleidenschaft geraten. Sie war vergiftet.

Das kennen wir, oder? Es läuft nicht, wie wir uns das vorstellen. Und das schon eine ganze Weile. Misstrauen macht sich breit. Und dann kommt Sand ins Getriebe. Durch die Hitze kommt Druck auf und man wird der Sache müde und überdrüssig. Man glaubt nicht mehr an ein Weiterkommen. Durch die Trockenheit und endlose Weite wird man schwach. Ein guter Ausgang oder das Ziel rücken in unendliche Ferne.

Man fängt an zu murren, wird unwirsch. Sucht Schuldige und lässt seinem Frust freien Lauf.
Gut, wenn wir da etwas haben, an dem wir hochschauen können.
Eine Möglichkeit zum sich Abstützen und Aufrichten haben.

Bis heute ist z.B. der Äskulapstab, der Stab mit der Schlange, aus der griechischen Mythologie entsprungen, das Zeichen der Mediziner und Pharmazeuten.

Das Gift der Schlange kann töten. Das Gift der Worte und Gedanken kann ebenfalls töten. Das kann einen innerlich wurmen und zerfressen.
Ungeklärte Missverständnisse, Missgunst, Neid, Unzufriedenheit – alle diese Dinge lassen uns unser Leben als Wüste erscheinen und wir kommen nicht heraus.

Ein gutes Wort der Nachbarin, ein seelsorgerliches Gespräch, ein lachendes Kindergesicht, die Hilfe der Pflegerin oder der Ärztin.
Das alles kann uns guttun, dass es hell in uns wird. Auch die aufwachende Natur, die Sonnenstrahlen, das Zwitschern der Vögel, das neue frische Grün.
Wenn wir es wahrnehmen, in uns hineinlassen, bewusst betrachten, dann wirkt das Wunder.

Schon in irdischen Dingen, wie Jesus zu Nikodemus und uns durch den Predigttext sagt. Gut, wenn wir uns in der Heilkunde von heilsamen Worten, Gesten, Blicken und Taten auskennen und dies im Miteinander und untereinander üben.

Aber dabei bleibt Jesus nicht stehen. Er geht weiter und geht auf die von Nikodemus nicht gestellte Frage ein. Wie kommen wir ins Reich Gottes?

Und da spricht Jesus nun nicht mehr von den verschiedensten Heilmitteln und menschlichen Möglichkeiten.
Er spricht nicht mehr von etwas das wir tun, schaffen oder wozu wir etwas beitragen könnten.

Sondern er spricht vom Menschensohn und von Gottes Sohn, der erhöht werden muss.
Der sich indem er erhöht wird, aber am Kreuz gibt. Gott gibt sich für uns, für jeden von uns, für dich.

Er nimmt unsere Wüste, unser Leid, unsere Unvollkommenheit auf sich. Er nimmt unsere vergifteten und gestörten Beziehungen, unser Scheitern und alles was trennt und tötet auf sich.

Was fordert er? Den Glauben an ihn.
„…, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“
Schon jetzt.

Christus sagt uns: Wer glaubt!
Wer glaubt, der hat …

Und ich? Ich rufe zu Christus.
Ich rufe zu Christus mit offenen, aber leeren Händen:
HERR! „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9, 24)

Komme DU zu mir.
Schenke DU mir, dass mein Herz und meine Seele Vertrauen,
Vertrauen zu dir und deinem Wort fassen.

Mir ist das Geheimnis zu groß.
Zu groß, als dass mein Verstand es fassen könnte.

Darum HERR:
schenke meiner kraftlosen Seele – Glauben,
schenke meinem verzagten Herz – Liebe,
schenke meinem trüben Geist – Hoffnung.

Werde du mir zum Brot des Lebens,
damit ich mich ganz DIR hingeben,
ganz dir ergeben kann.

Dann wirst DU mir Brot, dein Fleisch mir Brot des Lebens.

Und ich habe volle Genüge aus dir,
volle Genüge in der Wüste meines Lebens.

HERR, dir sei Dank in Ewigkeit.

Amen


aponto/2019-03-17 – es gilt das gesprochene Wort